Berlin - "Wir werden in Berlin mit dem Einsatz von Biomasse vorangehen und jährlich eine Million Tonnen CO2 einsparen." Das versprach 2010 Rainer Knauber, seinerzeit Generalbevollmächtigter von Vattenfall Berlin, in der Berliner Zeitung und kündigte eine Rundum-Modernisierung des veralteten Braunkohlekraftwerks Rummelsburg in Lichtenberg an. Ab 2016 sollten dort zwei mit Biomasse (vulgo: Holzschnitzel) befeuerte Neubauten entstehen, außerdem ein Gas- und Dampfturbinenheizkraftwerk (GuD).

Kürzlich gab der Konzern bekannt, dass seine Biomassepläne für Rummelsburg begraben werden. Wie es mit dem Kraftwerk weiter geht, ist noch offen, ebenso die Frage, durch welche Technologie und wann die alten Kessel ersetzt werden. Derzeit wird dort noch Braunkohle verbrannt.

Planungsrechtlich genehmigt sei ein gasgefeuertes GuD-Kraftwerk, sagt Bezirksbürgermeister Andreas Geisel (SPD). Ob Vattenfall das baut, ist unklar. Ein Gaskraftwerk arbeitet zwar relativ effizient, verbrennt aber fossiles Erdgas und erzeugt Kohlendioxid – wenn auch nur etwa die Hälfte dessen, was ein Kohlekraftwerk rauspustet. Bereits 2009 hatte Vattenfall ein in Rummelsburg geplantes Steinkohlekraftwerk nach heftigen Protesten von Bürgerinitiativen und Umweltverbänden aufgegeben. Dann sollte es Biomasse werden.

Der Abschied von der Biomasse gefährdet nun die freiwillige Klimaschutzvereinbarung, die Vattenfall mit dem Senat geschlossen hat. Danach soll der CO2-Ausstoß bis 2020 auf die Hälfte dessen reduziert werden, was 1990 emittiert wurde. Man wolle die Reduktion jetzt auf anderem Wege realisieren, etwa durch die Mitverbrennung von Holz im Kohlekraftwerk Moabit, sagt Vattenfall-Sprecher Hannes Hönemann.

Die Abkehr von der Energieerzeugung mit Holz geht nicht nur auf Vattenfall zurück, obwohl der Konzern starke wirtschaftliche Motive hat. Denn durch Änderungen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) wird die Holzverbrennung nicht mehr so stark subventioniert wie früher. Aber auch Umweltschützer lehnen den Einsatz von schnellwachsender Biomasse aus dem Umland oder gar aus Afrika ab. Bürgermeister Geisel und Anwohner befürchteten zudem, dass die Anlieferung und Lagerung von 700 000 Tonnen Brennholz pro Jahr Emissionen erzeugt und wertvollen Platz belegt.