Berlin - Nun ist er also da, der Tag X - die Welt tritt in den Klimastreik. Und Zehntausende Berliner werden sich danach innerlich selbst auf die Schulter klopfen und sich selber dafür beglückwünschen, die Welt zumindest ein kleines bisschen besser gemacht zu haben. Ich nicht. Weil ich an diesem Streik nicht teilnehmen werde.

Ich möchte an dieser Stelle keine wissenschaftliche Diskussion darüber lostreten, ob es den Klimawandel gibt oder nicht, auch nicht darüber, ob er menschengemacht ist oder nicht. Und ja, auch mir blutet das Herz, wenn ich die Bilder von verhungerten oder ertrunkenen Eisbären sehe, die sterben mussten, weil das Eis schmilzt.

Aber darum geht es hier nicht. Sondern darum, warum ich die Demo im Hinblick auf viele der teilnehmenden Erwachsene schlichtweg verlogen finde.

Das Recht der Jugend

Dass Kinder und Jugendliche heute auf die Straße gehen, ist zunächst einmal richtig. Und dass die derzeitige Jugendbewegung "Klimaschutz" teils überzogene Forderungen stellt und unrealistische Vorstellungen hat, ist auch absolut in Ordnung. Jugendbewegungen zeichnen sich selten dadurch aus, logisch, abwägend oder sonderlich besonnen zu sein. Waren sie nie, werden sie nicht sein. Und müssen es auch nicht. Das ist das Recht der Jugend.

Dass allerdings ein Großteil der Erwachsenen mitzieht und sich der aktuellen Jugendbewegung völlig unkritisch und begeistert anschließt, sorgt bei mir für Kopfschütteln. Denn der damit einhergehende Tenor lautet: Wehe dem, der den Klima-Hype und die heutige Demo ignoriert! Und das auch noch zugibt! Immer öfter hört und liest man zudem die völlig absurde Schlussfolgerung: Der wählt auch bestimmt auch rechts! Der moralische Druck („Du gehst da doch schon auch hin, oder?!“) ist einer der Gründe, weshalb sich bei mir Widerstand gegen den Klima-Hype regt.

Urlaubsflieger und Coffee-to-go-Becher

Ich lasse mich von niemandem zwingen, bei etwas mitzumachen, schon aus Prinzip nicht. Und erst recht nicht von klimastreikenden Erwachsenen, denen Umweltschutz im täglichen Leben dann offenbar doch nicht so wichtig ist, wenn man sich die durchschnittliche Flug- oder Coffe-to-go-Becher-Bilanz in der Hauptstadt ansieht. Der andere Grund, weshalb ich der Demo fernbleibe: Ich muss nicht mit Trillerpfeifen zu einer Jugendveranstaltung pilgern, um meine Umwelt und die meiner Kinder zu schützen, soweit es mir in meinem persönlichen Lebensbereich möglich ist.

Unser Familienauto (aus praktischen Gründen ein mittelalter Mazda Kombi, in dem man auch den Kinderwagen verstauen kann) steht mehr als dass es fährt, meine Frau ist alleine zudem ausschließlich mit dem Rad oder den Öffis unterwegs. Wir fliegen durchschnittlich einmal im Jahr in den Urlaub, für innerdeutsche Reisen wird das Auto oder die Bahn benutzt.

Insekten und Vögel

In unserem Garten mit Wiese (ja, Wiese, kein golfplatzähnlicher Rasen) tummeln sich unzählige Bienen und andere Insekten, Igel, Eichhörnchen, Rotkehlchen, diverse Meisen, dieses Jahr kamen auch Specht sowie Familie Gimpel und Grasmücken hinzu. Auch Fuchs, Waschbär und Dachs sind gern gesehene Gäste. Gewässert wird mit Grundwasser aus einem eigenen Brunnen, Regenwasser sammeln wir in einem unterirdischen Wassertank.

Wenn wir Tomaten, Äpfel, Pflaumen, Gurken, Radieschen, Möhren, Kürbis, Kohlrabi oder Zucchini essen, kommen diese zum größten Teil aus unserem Garten. Bei Schnecken oder anderen Störenfrieden kommt grundsätzlich keine Chemiekeule zum Einsatz.

Und die Zahl der Wegwerf-Kaffee-Becher, die ich in den letzten zehn Jahren gekauft habe, kann ich an zwei Händen abzählen.

Taten statt Worte

Ich kenne die persönliche Umweltbilanz der Erwachsenen, die am Klimastreik teilnehmen, nicht. Aber sie würde mich wirklich interessieren. Denn im Endeffekt sind es wie überall die Taten im täglichen Leben, die zählen, nicht markige Worte auf einer Demo.

Sollte der direkte Vergleich wider Erwarten ergeben, dass ich trotz meiner selbstgewählten Lebensweise die weitaus schlimmere Umweltsau als der Großteil der erwachsenen Klimastreikenden bin, werde ich zu Kreuze kriechen. Versprochen.

Aber ganz ehrlich: Dass ich am Ende eines solchen Vergleichs im Sinne des Umweltbewusstseins als Verlierer dastehen werde - das halte ich für ausgeschlossen.