Ich habe in dieser Woche wieder sehr gelacht. Denn das Schwarze Loch im Zentrum unseres Sonnensystems hat es bis in die Tagesschau geschafft. Dort wurde erzählt, das Loch strahle plötzlich ungewöhnlich hell und habe sich offenbar „ein reichhaltiges Mahl“ gegönnt.

„Und? Wat is daran so lustich?“, fragt mein innerer Berliner. „Stellste dir vor, wie dit Loch tonnenweise Eierkuchen und Bulletten frisst?“ Nein, natürlich schluckt so ein Schwarzes Loch Sterne oder interstellares Gas. Ich amüsierte mich über das „Plötzliche“ dieser Gefräßigkeit. Denn das Mahl fand ja nicht gestern oder vorgestern statt, sondern vor 26.000 Jahren. So lang brauchte das Licht, um zu uns zu gelangen. Vielleicht ist das Loch inzwischen gar nicht mehr da, sondern hat sich totgefressen.
„Dit is wie bei de Schneckenpost im Mittelalter“, sagt mein innerer Berliner. „Der Bote kommt erschöpft int letzte Dorf jeritten und kräht: ,Der Könich is dot!’ Dabei war längst der nächste Könich dran, hatte die Oma des Drachen jeheiratet, sich beim Pilze-Essen verjiftet. Und nun herrschte der Drache uff de Burg und machte sich dran, alle uffzufressen.“

Klimawandel: Seit 2,6 Millionen Jahren besteht ein ständiger Wechsel von Kalt- und Warmzeiten

Ich habe Einstein und seine Relativität der Zeit nie so richtig verstanden. Aber hier wird mir klar, wie relativ die Zeit für uns Menschen ist. Wir reden von „plötzlich“, wenn etwas vor 26.000 Jahren passierte. Und wir sagen „Kommt Zeit, kommt Rat“, wenn wir registrieren, dass um uns das Eis schmilzt und wir zum fünften Mal hintereinander das heißeste Jahr seit der Wetteraufzeichnung haben.
Dann retten wir uns gerne in größere Dimensionen und beklagen die „Klimahysterie“. „Ja, es steht außer Frage, dass sich das Klima ändert“, sagte jüngst der Berliner AfD-Fraktionschef Georg Pazderski. „Vor 10.000 Jahren war das so, und es wird auch in Zukunft so bleiben.“

Ja, das stimmt. Er könnte sogar noch ein paar Nullen ranhängen. Seit 2,6 Millionen Jahren nämlich leben wir im ständigen Wechsel von Kalt- und Warmzeiten. Der Rhythmus wird beeinflusst von Veränderungen der Erdbahn und der Erdachse, genannt Milankovic-Zyklen.

Klimawandel: Erstmals seit 2.000 Jahren findet eine globale Erderwärmung statt

Nun ist aber leider was Dummes passiert. Die aktuelle Erderwärmung lässt sich nämlich offenbar weder mit diesen Zyklen erklären noch mit der Aktivität der Sonne – wie andere vergleichbare Phasen der Vergangenheit. Erstmals seit 2.000 Jahren findet die Erwärmung auch nicht regional zu unterschiedlichen Zeiten statt, sondern global einheitlich. Und das bei zurückgehender Sonnenhelligkeit seit 1980. Das haben Forscher herausgefunden. Der Temperaturanstieg der vergangenen Jahrzehnte lasse sich nur erklären, wenn man menschliche Einflüsse mit einbeziehe, sagen sie.

Pfui! Wissenschaftler sind einfach fiese Spielverderber. Sie sitzen da mit ihren Messungen und Computermodellen und machen einem das ganze schöne sorglose Leben kaputt. 

„Aber pass ma uff“, sagt mein innerer Berliner, „vielleicht jibts ja ’ne Lösung. Vielleicht kriegt ja dit Schwarze Loch so richtich Riesenhunger, kommt anjerollert und saugt bei uns’n bisschen Wärme ab!“ Nee, mein Lieber, das erleben wir wohl nicht mehr, nicht in Millionen Jahren. Und wie ich das Loch kenne, würde es uns auch gleich ganz wegsaugen, das verfressene Ding.

Neuerscheinung und Lesung:
Torsten Harmsen: Der Mond ist ein Berliner.
Wunderliches aus dem Hauptstadt-Kaff,
be.bra Verlag, Berlin. 224 S., 14 Euro.
Buchpremiere: 26. September, 20 Uhr, Forum Köpenick, Bahnhofstr. 33–38, 12555 Berlin.
Kartenvorverkauf vor Ort in der Thalia-Filiale.