Krankenschwestern und Pfleger sind am Helios Klinikum Emil von Behring in Zehlendorf so im Stress, dass sie oft keine Mittagspause machen können. Der Betriebsrat hatte genug davon. Er klagte vor dem Landesarbeitsgericht gegen die Klinikleitung auf Einhaltung der Pausenzeiten. Jetzt beschloss das Gericht: Die Leitung der Helios-Klinik in Zehlendorf muss 88.000 Euro Ordnungsgeld zahlen. Die Krankenhauskette Helios kauft seit Jahren Kliniken in Deutschland auf. In Berlin gibt es zwei Standorte.

„Die ersten Mitarbeiter haben bereits gekündigt, weil sie zu viel arbeiten müssen und nicht mehr können“, sagt Betriebsratschef Baki Selcuk. Laut Arbeitsgericht stehen einem Arbeitnehmer eine halbe Stunde Mittagspause zu, wenn er zwischen sechs und neun Stunden am Tag beschäftigt ist. Verstöße könnten beim Landesamt für Arbeitsschutz oder dem Arbeitsgericht angezeigt werden, sagte eine Sprecherin.

200 Pausen ausgefallen

Der Betriebsrat klagte bereits zum zweiten Mal auf Einhaltung der Pausenzeiten. Eine erste Klage endete 2014 mit der Aufforderung des Gerichts an die Klinik-Chefs, die Pausen endlich einzuhalten. Dies wurde nicht ernst genommen. Also kam es jetzt zur zweiten Klage. Allein im Jahr 2016 hätten Mitarbeiter 200-mal gemeldet, dass die Pause ausgefallen sei, sagt Selcuk. Der Betriebsratschef rechnet vor: Auf 35 bis 40 Patienten kämen lediglich zwei Mitarbeiter in einer Spätschicht. Das sei erheblich zu wenig.

Eine Helios-Sprecherin bestätigt die Vorwürfe des Betriebsrats und das verhängte Ordnungsgeld. „Aufgrund von Notfällen, kurzfristigen Krankheitsausfällen kann es leider zu Engpässen kommen.“ In Einzelfällen könnten Pausen so nicht genommen werden.

Helios will nach Angaben der Klinikleitung künftig mehr Personal einstellen. Zudem sollen Mitarbeiter von anderen Stationen einspringen, wenn Not am Mann ist.