Berlin - Knallrote Haut, Schmerzen und Fieber: Die Krankenhäuser der Hauptstadt bekommen es zunehmend mit Berlinern zu tun, die es mit dem Sonnenbad übertrieben haben. So berichtet das Unfallkrankenhaus Berlin in Marzahn, dass die dortigen Ärzte dieser Tage viele schwere Fälle behandeln müssen. „Dabei handelt es sich nicht um einfache Rötungen, sondern um Verbrennungen zweiten Grades mit Bläschenbildung“, sagte Klinik-Sprecherin Angela Kijewski. „Viele Patienten kommen vor allem nachts, weil sie die Schmerzen nicht mehr aushalten. Spätestens wenn sich auf der Haut Bläschen bilden, sollte man einen Arzt aufsuchen.“

Betroffen seien alle Altersgruppen. Es kämen aber mehr Männer als Frauen und Kinder, sagte die Sprecherin. Viele von ihnen gäben an, stundenlang mit nacktem Oberkörper im Freien gearbeitet zu haben. Andere hätten achtlos in der prallen Sonne gelegen. Wieder andere kämen mit Verbrennungen am linken Arm in die Notaufnahme. „In diesen Fällen haben die Patienten beim Autofahren den Arm aus dem Fenster gehalten“, sagte Kijewski. Diabetiker seien besonders anfällig. Sie hätten ein vermindertes Schmerzempfinden, bemerkten einen Sonnenbrand deutlich später. Nur wenige Patienten müssten im Krankenhaus bleiben. Sie bekämen Schmerzmittel und eine Infusion.

Männer öfter betroffen als Frauen

„Ein Sonnenbrand ist eine akute Schädigung der Zellen der Haut durch übermäßiges UV- Licht“, sagt Prof. Alexander Nast, Dermatologe an der Charité: Ein Sonnenbrand sei eine Schädigung mit Spätfolgen, erklärt die Hautärztin Anya Miller: „Wer sich mit 20 die Haut verbrennt, kann mit 40 einen Hautkrebs bekommen.“ Besonders gefährlich sei Sonnenbrand bei Kindern, bei ihnen gebe es die klarsten Hinweise, dass er zu Krebs führt. Es gebe rund 200 Hautkrebs-Arten, erklärt Anya Miller. Sie können tödlich enden, weil sie sich über Blut- und Lymphgefäße im Körper verbreiten. Die drei häufigsten Arten sind schwarzer Hautkrebs (malignes Melanom), weißer Hautkrebs (Basaliom) und Plattenepithel-Karzinom.

Nach den letzten Zahlen des Gemeinsamen Krebsregisters der ostdeutschen Länder erkrankten 2014 in Berlin 431 Menschen am schwarzen Hautkrebs, 2980 an anderen Hautkrebs-Arten. Männer sind häufiger betroffen als Frauen.

Einmal im Jahr zu Vorsorge

Die wichtigsten Tipps der Ärztin: Die Sonne speziell über Mittag meiden und ausreichend eincremen. „Verwendet man von einer Creme mit Lichtschutzfaktor 50 zu wenig, ist man ganz schnell nur beim Faktor 30 oder 20.“ Das sollte man beim Urlaubsbudget berücksichtigen.

Hat man sich verbrannt, solle man die Haut mit kaltem Wasser kühlen, in der Apotheke eine frei verkäufliche Hydrocortison-Creme kaufen und – wenn man es verträgt – Aspirin einnehmen. Miller sagt: „Ein Sonnenbrand ist eine massive Entzündung, Aspirin blockiert diese Reaktion. “ Bei schweren Hautschäden muss man natürlich zum Arzt.

Wenn sich auf den Schultern „Sunburn freckles“ bilden (kleine, hellbraune Flecken), deutet das auf eine Schädigung hin. Prinzipiell solle man immer einmal im Jahr vorsorglich den Hautarzt aufsuchen.