Berlin - Vivantes-Chef Joachim Bovelet wird sich in der Aufsichtsratssitzung des landeseigenen Klinikkonzerns an diesem Freitag unangenehmen Fragen stellen müssen. So wird die Gesellschaft in diesem Jahr ihr Ziel, einen Gewinn von 7,5 Millionen Euro zu verbuchen, voraussichtlich deutlich verfehlen. Vivantes rechnet nur noch mit einem Plus von zirka sechs Millionen Euro, teilte der Konzern den Mitgliedern des Aufsichtsrats vorab in einem Schreiben mit. Die Finanzverwaltung bestätigte dies auf Anfrage.

Dieses Ergebnis wird den Aufsichtsräten Finanzsenator Ulrich Nußbaum (für SPD) und Gesundheitssenator Mario Czaja (CDU) nicht gefallen. Zumal das Unternehmen sich hohe Abfindungen leistet. Drei Millionen Euro wurden an ausgeschiedene Führungskräfte gezahlt. Allein die im April entlassene Chefärztin der Orthopädie und ehemalige Spitzenturnerin der DDR, Karin Büttner-Janz, erhielt nach einem Vergleich vor Gericht neben der vollen Ausbezahlung ihres Jahresgehalts von 250.000 Euro eine Abfindung von 590.000 Euro.

Mitglieder des Aufsichtsrats kritisieren, dass der Vivantes-Chef sich auf einen Vergleich einließ. Aber auch die drei stellvertretenden Geschäftsführer, die 2011 und 2012 nach nur wenigen Jahren auf ihren Posten das Unternehmen verließen, erhielten sechsstellige Abfindungen.

Hinzu kommt eine Rückstellung von rund 1,5 Millionen Euro, weil Vivantes einem Medizintechnikunternehmen nicht ordnungsgemäß gekündigt haben soll. Vivantes wirft der Firma vor, Aufgaben wie Sterilisation von Instrumenten mangelhaft erbracht zu haben, und hat sie auf Schadensersatz verklagt. Das bestätigte eine Sprecherin des Klinikkonzerns. „Eine Rückstellung werden wir bilden, weil wir in erster Instanz verloren haben und die Berufung noch andauert“, sagte sie.

Auch die Baukosten für das neue Hospiz am Wenckebach-Klinikum in Tempelhof sollen überschritten worden sein. Dazu sagte die Sprecherin, die Schlussrechnung liege noch nicht vor. „Vivantes war die Einrichtung des Hospizes ein besonderes Anliegen, bei dem es nicht primär um Wirtschaftlichkeit ging.“

Vivantes hat aber noch ein anderes Problem: das Aufsichtsratmitglied Karl Kauermann, früher Chef der Berliner Volksbank. Er war an der Wachschutzfirma SSB beteiligt, die für Vivantes tätig ist. Kauermann wurde wegen möglicher Interessenkollisionen bereits von Nußbaum aus der Spitze des Aufsichtsrats der Wohnungsbaugesellschaft Degewo abberufen. Anders als der Senator wollen Bovelet und Arbeitnehmervertreter, dass Kauermann im Aufsichtsrat bleibt.