Berlin - Zunächst wollte sich Vivantes-Chef Joachim Bovelet seinen Rücktritt vergolden lassen, nun sagte er am Freitag der Berliner Zeitung: „Ich strebe nicht an, eine Abfindung auszuhandeln.“ Darüber hinaus hat Bovelet über einen Anwalt angeboten, seinen Vertrag mit einer Laufzeit bis 2017 doch noch zu erfüllen. Diese Kehrtwende hängt wohl damit zusammen, dass dem Vivantes-Chef zwar ursprünglich eine hohe Abfindung vorschwebte, was aber sowohl Aufsichtsratschef Hartmann Kleiner als auch Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos, für SPD) ablehnen. Eigentlich wollte Bovelet im Mai ausscheiden, sein Gehalt aber noch für 2013 und 2014 einstreichen. Das wäre knapp eine Million Euro.

Verhältnis zu Nußbaum zerrüttet

Es ist jedoch nicht damit zu rechnen, dass er noch lange in dem landeseigenen Unternehmen bleibt. Gilt doch sein Verhältnis zu Finanzsenator Nußbaum als vollkommen zerrüttet, der ihm Missmanagement von fragwürdigen Auftragsvergaben über Abfindungen in Millionenhöhe für Führungskräfte bis hin zu überteuerten Baumaßnahmen und Umzügen vorwirft. Das Ausmaß der Zerrüttung zeigt sich schon daran, wie der Vivantes-Chef seinen Rücktrittswunsch kommuniziert hat. Dass er bereits eine neue Stelle gefunden habe, soll der 56-Jährige zunächst in der Gesundheitsszene lanciert haben.

Dann informierte er in der vergangenen Woche Gesundheitssenator Mario Czaja (CDU), er wolle aus persönlichen Gründen gehen. Der Finanzsenator soll erst auf Nachfrage davon erfahren haben. Vereinbart wurde eine gemeinsame Pressemitteilung am vergangenen Montag, stattdessen wandte sich Bovelet vorher an die Medien.

In der Sonderaufsichtsratssitzung am kommenden Montag steht neben den Modalitäten seines Ausscheidens Bovelets Tätigkeit als Geschäftsführer im Fokus. Nußbaum lässt alle Auftragsvergaben der letzten fünf Jahre, in denen Bovelet bei Vivantes war, extern überprüfen. Bovelet wird auch erklären müssen, warum ein Pfleger, der seit 2010 Patientinnen sexuell missbraucht haben soll, erst Ende 2012 entlassen wurde. Über Bovelets Fähigkeiten gehen die Meinungen auseinander. „Er ist ein exzellenter Strippenzieher, ein guter Klinikmanager ist er nicht“, sagte ein hochrangiger Vertreter des Gesundheitswesens. Wolfgang Albers (Linke), Chirurg und Betriebsrat bei Vivantes, hingegen sagte, Bovelet habe das Unternehmen konsolidiert.

Bovelets Stelle soll ausgeschrieben werden. Als sein Nachfolger wird unter anderen der Chef des Bergmann-Klinikums in Potsdam, Steffen Grebner, gehandelt. Klar ist immerhin, wer die vakante Position der Vize-Chefin besetzt: Im März wechselt Andrea Grebe vom Krankenhaus Ludwigsburg-Bietigheim zu Vivantes. Sie könnte dann kommissarisch die Geschäfte führen.