Frische Beute: Jeder durfte nur ein Paket kaufen.
Foto: Berliner Zeitung/Jens Blankennagel

BerlinEs sind die Zeiten der neuen Mangelwirtschaft. Es sind die Zeiten der ungewöhnlichen Preise. Es sind die Zeiten, in denen Klopapier zu einer neuen Währung aufgestiegen ist. Es sind Coronazeiten.

Und an diesem Tag soll es beim Drogeriemarkt um die Ecke zum ersten Mal seit vier Wochen wieder Klopapier geben. Nicht, dass wir danach gefragt hätten, aber wir haben beim Einkauf gehört, wie das eine Verkäuferin zu einer Kundin sagte. Und da sich auch unsere Vorräte nach den vielen Wochen nun doch dem Ende zuneigen und die Großeltern nicht mehr aus dem Haus sollen, wollen auch wir zwei Päckchen käuflich erwerben. Das ist die Idee.

Die Verkäuferin hatte gesagt, dass das Papier nicht gleich zur Ladenöffnung da sein wird, also gehen wir eine Stunde später hin. Gähnende Leere im Regal, nur ein Schild, das darauf hinweist, dass jeder Kunde nur eine Packung kaufen darf. Es ist wie in Rumänien 1988, außer dass das heutige Papier natürlich sehr viel weicher ist - wenn es denn welches gäbe.

Extra großen Hamsterpakete

Als ein älterer Mann bei einer Verkäuferin nachfragt, wann es denn endlich so weit ist mit der versprochenen Lieferung, sagt die Verkäuferin genervt: „Wir haben Lieferzeit von 9 bis 19 Uhr. Wir wissen es auch nicht.“

Es ist schon interessant: Der Goldpreis ist innerhalb eines halben Jahres trotz Corona nur um zehn Prozent gestiegen, aber das Edelmetall, das in Krisenzeiten immer recht beliebt ist, kann noch immer im Fachhandel gekauft werden. Klopapier ist hingegen echte Mangelware.  

Wir versuchen es dann um 14 Uhr noch einmal - und haben Glück. Das begehrte Papier ist da. Aber es wird gar nicht erst von den Paletten in die Regale geräumt, denn es wird sowieso bald wieder ausverkauft sein.  

Wir sind extra zu zwei gegangen: ein Paket für uns, eines für die Großeltern. Doch die Sache ist schon ein wenig peinlich, denn es gibt keiner Zehner-Pakete, sondern nur riesige Hamster-Packungen mit 20 Rollen. 

Das etwas peinlich-große Hamsterpaket mit 20 Rollen.
Foto: Berliner Zeitung/Jens Blankennagel

Als ich einem Kollegen am Telefon davon erzähle, sagt er, dass es bei ihm in einem türkischen Supermarkt in Kreuzberg massenhaft Klopapier gibt. Allerdings das Zehnerpaket für beachtliche 5,50 Euro. Dafür haben wir unsere 20 Rollen bekommen.

In Krisenzeiten haben sich nicht nur die Preise für Schutzkleidung exponentiell gesteigert, sondern auch von ganz absurden Dingen, von denen die wenigsten glaubten, dass sie so begehrt sind. Zum Beispiel Trockenhefe, die zum Backen von Brot oder für Pizzateig oder Kuchen benutzt werden kann.

Abzocke die Grundlage entziehen

So meldet die Verbraucherzentrale Brandenburg am Freitag, dass sie die Hefepreise überprüft hat, weil sich Kunden in der Beschwerde-Box über Wucherpreise mockiert hätten. „Spitzenreiter beim Check waren sieben Gramm für zehn Euro“, berichtet Silke Vollbrecht, Lebensmittelexpertin bei der Verbraucherzentrale Brandenburg. „Auf Online-Marktplätzen tummeln sich viele überteuerte Angebote für Trockenhefe, meist von privaten Verkäufern.“

Beim Trockenhefe-Check auf Ebay fanden die Verbraucherschützer zum Beispiel eine Tüte mit 7 Gramm für 10 Euro, plus 1,55 Euro Versand. „Die hier angebotene Trockenhefe ist fast durchweg teurer als Silber, das man derzeit für 43 Cent pro Gramm bekommen kann“, sagt Vollbrecht. „Wir verurteilen Geschäftemacher, die die derzeitige Unsicherheit auf Grund der Corona-Krise ausnutzen wollen.“

Verbrauchern wird nun geraten, ruhig zu bleiben, sich nicht auf solche Wucherangebote einzulassen und somit den Abzockern die Grundlage zu entziehen. Die Verbracherschützerin hat noch einen Rat: „Kaufen Sie Brot bei der Bäckerei nebenan oder probieren Sie Rezepte aus, für die Sie keine Hefe benötigen.“

Und irgendwann wird es auch wieder überall Toilettenpapier geben. Angeblich wurde in den vergangenen Hamsterwochen sieben Mal so viel von diesem Billigprodukt verkauft, als sonst üblich. Deshalb sind die Lager leer. Aber die Papiermaschinen laufen sicher auf Hochtouren - und irgendwann wird es dann ganz sicher eine riesige Klopapier-Schwemme geben.