Berlin - Die Benutzung von Handys ist Strafgefangenen streng verboten - umso schräger der Fall, mit dem sich die Berliner Justizverwaltung derzeit herumschlagen muss: Ein Gefangener der Justizvollzugsanstalt (JVA) Tegel hat seit Tagen gleich ein ganzes eigenes Videoblog betrieben. In den hochgeladenen Videos berichtet der Mann seinen Freunden und Fans von seinem Knastalltag.

Der Sprecher der Senatsverwaltung für Justiz Alexander Klose bestätigt unserer Zeitung, dass die im Video zu sehenden Räumlichkeiten tatsächlich in der JVA Tegel aufgenommen wurden. Der Blogger wurde identifiziert, sein Käppi, das Palästinensertuch sowie das Handy, mit dem die Aufnahmen gemacht wurden, sichergestellt.

Auf Youtube war der Kanal "Knast VLOG" am Donnerstag noch zu sehen, nachdem dieselben Videos des mitteilsamen Gefangenen auf Facebook zwischenzeitlich nicht mehr erreichbar waren.

Zur "Lebendkontrolle" ein Bein entgegenstrecken

In einem der Videos beantwortet der junge Mann allen Ernstes eine "Anfrage", ob sich der Alltag im Knast mit dem decke, was man darüber aus TV-Reportagen kennt. "Im Großen und Ganzen schon", meint er: So beginnt der Tagesablauf mit dem Weckruf um sechs und der "Lebendkontrolle": Manchmal reicht dem Beamten dafür "Guten Morgen", um den nächtlichen Tod eines Insassen auszuschließen. Anderen Justizmitarbeitern streckt der Blogger frühmorgens sein Bein entgegen - als Zeichen, dass er noch am Leben ist.

Viel erzählt der Häftling über Arbeit im Knast, obwohl er nach eigenen Worten selbst derzeit überhaupt keiner regulären Tätigkeit nachgeht - denn er sei nun mal kein "Mustergefangener". Arbeit werde denen gegönnt, die sich an die Regeln halten. Was auf ihn offensichtlich nicht zutrifft.

"Knastgeschäfte: Seid gespannt darauf" 

Aber das sei ja nicht weiter schlimm, denn er habe ja andere Einkommensquellen. Auf das Thema "Knastgeschäfte" wolle er nochmal in einem anderen Video eingehen. "Seid gespannt darauf, es wird ein interessantes Thema", verspricht der Blogger.

Obwohl der Gefangene seine Identität nicht nennt und glaubt, "Sherlock Holmes" mit falschen Fährten in die Irre führen zu können, hat die Gefängnisleitung den Mann rasch ausfindig gemacht und diesen bereits in einen anderen Haftraum verlegt.

Dies gehört auch zu den Disziplinarmaßnahmen, die dem Blogger nun blühen. Was dem Gefangenen, der nach eigenen Angaben bereits fünf Jahre einsitzt, sonst noch droht, entscheidet die Gefängnisleitung. Justizsprecher Alexander Klose nennt Strafen bei vergleichbaren Regelverstößen, die die Verantwortlichen anwenden könnten: Etwa den zeitweiligen Entzug von Gegenständen wie dem Fernseher oder den Ausschluss von Freizeit.

Der Blogger habe das Vertrauensverhältnis nicht nur gegenüber der Gefängnisleitung, sondern auch gegenüber Mitgefangenen gebrochen, so Klose weiter: Denn in seinem Blog mache er deren persönliche Daten ohne deren Einwilligung öffentlich. Auch das werde sich nicht eben positiv auf die Haftsituation des Mannes auswirken.

Wie kam das Handy in die JVA?

Bleibt die Frage: Wie ist der Mann überhaupt an das Handy gekommen, mit dem er die Aufnahmen angefertigt hat? Justizsprecher Klose verweist darauf, dass Handys trotzt intensiver Kontrollen leider immer wieder in Berliner Justizvollzugsanstalten gefunden würden. Die Geräte gelangen per Überwürfe über die Gefängnismauern auf das Gefängnisgelände, oder sie werden in Hohlräumen von Gegenständen, die in die JVA gelangen, eingeschmuggelt.

"Wir tun unser Möglichstes, die Verwendung von Handys im Rahmen von Kontrollen und Einsatz von Handydetektoren zu unterbinden", so Justizsprecher Klose. Bei mehreren tausend Gefangenen in Berlin - sei es trotz aller Gegenmaßnahmen  nicht möglich, Schmuggel und Einsatz von Handys völlig auszuschließen. (red.)