Berlin/Eloy - Es ist das erste Foto von Schauspielerin Katja Bienert nach den dramatischen Ereignissen der letzten Wochen: Die Berlinerin, die mit Auftritten in „Schulmädchenreport“ und „Praxis Bülowbogen“ bekannt wurde, sitzt an einem Holztisch, weißes T-Shirt, Gefängnis-Kittel, trauriger Blick. Im Hintergrund eine schwere, blaue Stahltür mit Fenster.

Bienert sitzt seit dem 24. März in US-Haft – und durfte nun erstmals mit Reportern über ihre Erlebnisse sprechen. Auch mit einem US-Fotografen, der die 50-Jährige besuchte. „Ich schicke viel Liebe nach Berlin“, sagt sie. An Familie und Freunde, die in den letzten Wochen an sie dachten. „Ich hoffe, dass mein 20 Jahre alter Sohn mich bald besuchen kann. Ich würde ihm so gern Las Vegas zeigen, die Stadt mag ich sehr.“ Derzeit aber hockt sie im Gefängnis – erst in Mesa, nun im „Eloy Detention Center“, einem Knast, der zur Einwanderungsbehörde der USA gehört. Das riesige Areal liegt in der Sonora-Wüste, mehr als eine Stunde von der Stadt Mesa entfernt.

Dort, im US-Bundesstaat Arizona, wurde sie vor einem Fitnessstudio festgenommen. Laut Polizei lag gegen Bienert ein Kontaktverbot vor, das ihr Ex-Freund erwirkt hatte. Von häuslicher Gewalt ist im Protokoll die Rede, von Stalking. Die Schauspielerin versuchte demnach mehrfach, mit dem Mann zu sprechen, sei mehr als einmal festgesetzt worden. Jetzt sagt sie: „Es war das erste Mal, dass ich festgenommen wurde.“

Ihr Ex-Freund habe als Portier in dem Fitnessstudio gearbeitet. Das erklärt den zweiten Vorwurf – Hausfriedensbruch. Deshalb muss sich Bienert am 23. Mai vor Gericht verantworten. Auch das Studio durfte sie offenbar nicht betreten. „Seit er die Polizei rief, hatte ich zu ihm aber keinen Kontakt mehr.“

Laut der gebürtigen Berlinerin war es auch die Liebe, die ihr nun den Aufenthalt in Abschiebe-Haft einbrachte. Sie sei mit einem Touristen-Visum in Amerika. „Ich war verliebt und vergaß, das Visum zu erneuern“, sagt sie. Somit durfte sie eigentlich nicht in den USA leben, galt als illegale Einwanderin. Als sie in Mesa festgenommen wurde, fiel das auf. So landete sie im Gefängnis. Sie habe erst eine Szene gemacht, als sie nach Eloy kam. Dann brachte man sie zu einer medizinischen Untersuchung nach Tucson, eine Stunde südlich vom Wüsten-Knast. „Dort gab man mir Tabletten, mit denen ich besser schlafen konnte.“

In sechs Wochen soll sie vor einem Einwanderungsrichter stehen, der über ihr Schicksal entscheidet – derzeit sei sie besorgt und gleichzeitig voller Hoffnung. „Einige meiner Mitinsassen warten auf ihr Urteil schon ein Jahr. Wenn ich schuldig gesprochen werde, dürfte ich für zehn Jahre nicht in die USA zurückkehren.“ 

Bis dahin bleibt Katja Bienert in Haft. Sie lebt in einer Einzelzelle, liest viel. Warum Bienert nach Amerika ging, bleibt unklar. Ein naher Bekannter sagte, sie habe nach Schicksalsschlägen aus ihrem Leben ausbrechen wollen. Bienert schüttelt den Kopf – sie habe Spaß haben wollen. „Ich mag die Wüste.“

Der Fotograf, der mit ihr sprach, beschrieb Bienert als „normal“. „Sie war sehr gesprächig, als ich sie traf, sah gebräunt und gesund aus und klagte, dass es zu wenig Schminke gibt.“ Die Atmosphäre im Knast: bedrückend. „Wir saßen in einem düsteren Raum“, sagt er. „Die Aufseher ließen uns allein, aber schauten ab und zu durch ein Fenster in der Tür zu uns.“ Über weitere Details ihres Falles wollte Bienert nicht sprechen.