Kneipenfußball: Revolte der Berliner Kneipenwirte gegen Sky

Es ist ein ernüchterndes Bild, das sich im „Gasthaus Valentin“ in Berlin-Kreuzberg bietet: Hertha BSC spielt zu Hause gegen den Hamburger SV. Aber vor dem Fernseher im Hinterzimmer sitzt: genau ein Gast. Ärgerlich sind für den Kneipen-Besitzer auch die teils drastischen Gebührenerhöhung von Sky, die seit Wochen Gastwirte in ganz Deutschland beschäftigt. Deshalb hat Joachim Mühle für Samstag zum Aktionstag ausgerufen. An diesem Tag läuft bei vielen Wirten der Sky-Vertrag aus.

„Ich setzte den Vorschlag eines Gastes um. Wir veranstalten ein Public-Laptopping“, erklärt Mühle. „Jeder, der kann, soll seinen Laptop mitbringen. Dann kann an jedem Tisch entschieden werden, was geschaut wird. Im Internet und ohne Sky“, erklärt Mühle.

Er ist der Vorkämpfer in Berlin. „Eine Preiserhöhung von 75 Prozent ist völlig indiskutabel“, wiederholt er seine Kritik der vergangenen Wochen. Die Facebook-Seite „Rettet den Kneipenfußball“, die mittlerweile schon über 3000 „Gefällt mir“ gesammelt hat, hat er ins Leben gerufen. Auch hat er rund 50 Gastwirte zusammengetrommelt, die erst einmal ihre Verträge mit dem Münchener Bezahlsender gekündigt haben - viele zum 1. September. „Wir vermuten aber, dass es eher doppelt oder dreifach so viele sind“, sagte Mühle.

Drei Fernseher im Schankraum

Wolfram Winter, Pressesprecher von Sky Deutschland, bestätigt diese Zahlen nicht. „Wir haben mit Kündigungen gerechnet, es sind weniger, als wir erwartet hatten. Die Zahlen dazu können wir als börsendotiertes Unternehmen nicht veröffentlichen“, sagt er der Nachrichtenagentur dpa.

Kneipier Mühle hat bisher 270 Euro monatlich gezahlt, in Zukunft sollten es 470 sein. Da zog er die Reißleine. Seit zwei Wochen hat er von Sky nichts gehört. Also bleibt der Fernseher im Hinterzimmer ab September aus. Sky verteidigt indes seine neue Preisstruktur.

In Deutschland fehlt den Gastwirten eine richtige Gewerkschaft. Abhilfe könnte hier der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband Dehoga schaffen, der seit Anfang August mit Sky verhandelt. „Wir versuchen weiterhin, für unsere Betriebe Verbesserungen zu erzielen. Zweifelsohne ist es positiv, dass wir uns austauschen. Wir bleiben im Dialog“, sagt Ingrid Hartges, die Dehoga-Hauptgeschäftsführerin.

Szenenwechsel: Wieder Bundesliga. Die Torstraße in Berlin-Mitte ist für ihre vielen Bars bekannt, darunter auch etliche mit Sky im Angebot. Gleich spielt der FC Augsburg gegen den VfB Stuttgart. „Tor 133“ ist eine reine Sportsbar, lebt vom Fußball. Drei Fernseher hängen im Schankraum, sogar im Schaufenster steht einer. „Wir sind auf Sky angewiesen. Gerade Fußball ist für uns wichtig“, betont die Geschäftsführerin Sylvia Chedor, „wir mussten die Preiserhöhung einfach schlucken.“

Das neue Preismodell können die meisten Gastwirte nicht nachvollziehen. „Mir hat das niemand erklärt - auch nicht, warum es in dieser Höhe notwendig ist“, kritisiert Chedor. Sky-Sprecher Winter hält dagegen: „Wir haben keine Gebühren-, sondern eine neuen Preisstruktur eingeführt, die unserer Meinung nach intelligenter und gerechter ist, weil neben der Größe einer Bar auch die Kaufkraft in der Region, die Bevölkerungsdichte und die Sportaffinität berücksichtigt werden.“ (dpa)