Buckow - In zehn Minuten ist ein Cappuccino „verbrannt“, in 50 ein Eisbein: Wer sich auf der Buckower Kalorienpromenade bewegt, weiß genau, welchen Effekt die absolvierten Etappen bringen. Es ist ausgeschildert. „Zudem ist es ein zu jeder Jahreszeit schöner Weg entlang des Flüsschens Stobber“, sagt Marion Kossakowski, im Kneipp- und Heimatverein Märkische Schweiz für Nordic-Walking zuständig.

Das idyllische Städtchen Buckow rund 50 Kilometer östlich von Berlin trägt seit zehn Jahren die Bezeichnung „Kneipp-Kurort“. Es ist der einzige in Brandenburg. Die Stadt in der Märkischen Schweiz lockt Touristen mit speziellen gesundheitsfördernden Angeboten, die auf der ganzheitlichen Therapie von Sebastian Kneipp (1821-1897) beruhen. Bestimmte Stellen im flachen Fluss Stobber sind zum Wassertreten gedacht – im Storchenschritt immer um eine Haltestange herum.

Die gut 150 Jahre alte Entdeckung von Pfarrer Sebastian Kneipp beruht auf fünf Elementen: Innere Balance, Heilkräuter, Bewegung, Ernährung, Wasser. Durch diese Therapie sollten Menschen gesunden und ihre innere Ruhe wiederfinden. Im Buckower Kräutergarten stehen dazu fünf Säulen, eine Tafel gibt Touristen Auskunft. Der Ort ist ein traditionsreicher Kurort. In Buckow verbrachten die Theatermacher Bertolt Brecht und Helene Weigel die Sommer. Ihr Haus ist heute ein Museum.

Nach der Wende suchte das Städtchen ein Alleinstellungsmerkmal, wie Bürgermeister Thiemo Seelig (CDU) berichtet. „Einen Kneipp-Kurort gab es in Brandenburg noch nicht. Wir fanden, die ganzheitlichen Anwendungen passen wunderbar in unsere Gegebenheiten“, sagt er. Der Ort mit derzeit rund 1500 Einwohnern ließ sich darauf ein und erhielt vom Land Brandenburg das Zertifikat. Es gibt eine Kneipp-Kita und eine Kneipp-Schule. Ein Bäcker verkauft Kneipp-Brot und eine Eisdiele einen kalorienreduzierten Kneipp-Eisbecher.

Restaurants servieren Kneipp-Gerichte und setzen auf „frisch, saisonal und regional“ wie Riamara Sommerschuh, Leiterin des Kultur- und Tourismusamtes, betont. Physiotherapeuten, Heilpraktiker und Apotheker arbeiten nach Kneipps Methoden. Die beiden Kurkliniken nutzen die Angebote. Mit Hotel, Pensionen und Campingplatz hat sich die Kommune auf Kurgäste eingestellt. Die Auslastung der Gästebetten betrug 2012 rund 60 Prozent. Rund 170 000 Übernachtungen wurden gezählt.

„Von den Auswärtigen wird unser Angebot gut angenommen“, sagt Helga Bachert, stellvertretende Vorsitzende des Kneipp- und Heimatvereins. „Leider sind zu wenig Buckower dabei.“ Der Bürgermeister sieht es ähnlich, betont aber: „Eine Entwicklung hin zu Kneipp ist spürbar.“ Und er denkt in die Zukunft. „Vielleicht erreichen wir den nächsten Schritt, den Status eines Kneipp-Heilbades.“

In diesen Tagen sind die Wassertret-Stellen in Buckow gut besucht. „Das ist ein wunderbares Gefühl“, sagt ein Tagestourist, der sich beim Wassertreten im Schlosspark erfrischt. Marion Kossakowski und Helga Bachert empfehlen dem Schwaben die Kalorienpromenade und er wandert los. (dpa)