Knorr-Bremse: Kundgebung gegen Werksschließung in Marzahn

Vor dem mächtigen Portal der Knorr-Bremse AG an der Landsberger Allee in Marzahn ging es am Freitagnachmittag etwas lauter zu als sonst. Die Toten Hosen und die Ärzte tönten aus Lautsprechern, bevor IG Metall-Mann Klaus Abel in vielerlei Hinsicht nahtlos an den deutschen Punk ansetzte. „Das ist eine Riesensauerei“, brüllte er ins Mikrofon, und etwas mehr 200 Demonstranten applaudierten mit Tröten und Trillerpfeifen.  

Die Gewerkschaft hatte zu der Protestkundgebung aufgerufen. Es ging gegen die von dem Münchener Knorr-Bremse-Konzern geplante Schließung der Fabrik Hass & Wrede in Marzahn – wir hatten berichtet – und den damit verbundenen Verlust von 125 Arbeitsstellen. Zugleich war es ein Protest gegen den Ausstieg des Konzerns aus dem Tarifvertrag, der für die Mitarbeiter der in Tegel angesiedelten Knorr-Bremse-Sparte Powertech eine Verlängerung der Arbeitszeit von 35 auf 42 Stunden in der Woche bei gleichem Lohn bedeutet. „Sie wollen von jedem Arbeitnehmer einen ganzen Tag Arbeit pro Woche umsonst“, brüllt Abel keine Spur leiser. „Das wollen wir einem Management in Deutschland nicht durchgehen lassen.“

Kultur der Angst

Der Zeitpunkt für die Kundgebung war mit Bedacht gewählt. Denn auf dem Werksgelände hinter dem Zaun tagte am Freitag der Knorr-Bremse-Aufsichtsrat und machte laut Auskunft der Arbeitnehmerseite im Kontrollgremium eine neue Erfahrung. „Die haben noch nie erlebt, dass sich eine Belegschaft gegen eine Werksschließung wehrt“, sagte Aufsichtsratsmitglied Sebastian Roloff. Im Konzern herrsche eine Kultur der Angst. Ob der Protest am Ende Wirkung im Sinne der Belegschaft haben könnte, lässt er jedoch offen. „Wir gehen davon aus, dass der Vorstand gesprächsbereit ist, sagte er.

Für Jürgen Häusler ist das aber immerhin ein Anfang. Der Monteur arbeitet seit 23 Jahren bei Hasse & Wrede, dem Unternehmen, das nun geschlossen werden soll, weil die Produktion nach Tschechien verlagert wird. Der 58-Jährige hatte bis zum Morgen in der Nachtschicht gearbeitet,  kam aber trotzdem zur Kundgebung. Dass er die Schließung noch abwenden kann, glaubt er nicht wirklich, aber „sie sollen damit nicht so einfach und billig durchkommen.“