Berlin - Eisbär Knut ist immer noch ein Star. Nach seinem plötzlichen Tod vor knapp zwei Jahren ist das präparierte Tier seit Samstag im Foyer des Naturkundemuseums ausgestellt. Und Hunderte Besucher nutzten am Wochenende die Möglichkeit, ihr Idol wiederzusehen. „Da ist er ja, mein kleiner Süßer“, sagt Karin Gude-Kohl, als sie Knut hinter den großen Glasscheiben sieht. Sie bezeichnet sich selbst als fanatischen Knut-Fan und hat dem Eisbären ein Croissant mitgebracht, das sie an der Glas-Vitrine ablegt. Croissants waren die Leibspeise von Knut.

Lange Schlangen wie zu den Knut-Shows im Zoo hat es vor dem Museum aber nicht gegeben. Ingrid und Klaus Berg aus Lübars sind die ersten Besucher, die am Samstag ins Foyer eingelassen werden. „Wir haben Knut oft im Zoo besucht und alle Filme mit seinem Pfleger Thomas Dörflein zu Hause. Für mich war Knut wie ein Mensch“, sagt Ingrid Berg. Als sie dann vor Knut steht, kann sie ihre Gefühle nicht mehr verbergen und wischt sich Tränen aus den Augen. „So dicht standen wir noch nie dran. Ich möchte ihm am liebsten auf den Hintern klopfen“, sagt Ingrid Berg. Und ihr Mann findet: „Er sieht gewaltig aus.“ Es sei richtig, dass Knut präpariert wurde und man ihn wiedersehen kann.

Ein wissenschaftliches Phänomen

Einige Knut-Fans und Tierschützer hatten es zuvor als „geschmacklos“ bezeichnet, den Eisbären so zu zeigen, und Drohbriefe geschrieben. Knut werde gnadenlos vermarktet. Das Museum lässt deshalb die Bären-Plastik von einem Sicherheitsdienst bewachen, auch mit der Polizei wird zusammengearbeitet. Zwischenfälle gab es bislang nicht.

Das Museum betont, Knut sei ein wissenschaftliches Phänomen. „Der Erwartungsdruck, ihn zu präparieren, war enorm hoch“, sagt Andreas Kunkel, der wissenschaftliche Geschäftsführer des Naturkundemuseums. Ab 2014 werde Knut „als emotionaler Anker“ in einer neu konzipierten Museumsausstellung „Wert der Natur“ zu sehen sein. Dabei werde auch das Verhältnis des Menschen zur Natur thematisiert.

Viele Museums-Besucher sind aber einfach glücklich. Monika Robier wohnt in der Nähe von Graz in Österreich und ist zu Besuch in Berlin. Sie ist gerührt, als sie dem Eisbären in die Augen sehen kann. „Es tut mir so leid, dass ich ihn nie im Zoo erlebt habe. Ich habe alles im Fernsehen verfolgt. Das war Wahnsinn mit seinem Trainer, das war so herzlich.“ Zum Knut-Gucken kommen auch viele Eltern mit ihren Kindern. Caroline Christ aus der Nähe von Freiburg in Baden-Württemberg etwa, die am Sonntag 10 Jahre alt wurde, wollte unbedingt Knut sehen. „Er war mal so klein und auch so süß. Er sieht toll aus“, sagt sie.

Zu runde Ohren

Knuts Präparat ist eine Dermoplastik. Das heißt, mit Hilfe von unzähligen Fotos und Filmen wurde zunächst ein Modell des Bärenkörpers aus Ton gefertigt. Das diente als Vorlage für einen Kunststoffkörper, über den die Präparatoren das mit einem speziellen Verfahren behandelte Fell von Knut gezogen haben. Die Augen des Eisbären sind aus Glas, die Krallen sind echt. „Die Arbeit war schwierig. Knut ist nicht einfach nur ein Eisbär. Alle kennen ihn. Jedes Detail muss stimmen. Die Proportionen. Die Haltung. Die aufgestellten Ohren“, sagt Kunkel.

Wie die Besucher finden, ist die Arbeit gelungen: Knut wirkt echt. „Alles ist prima. Der Gesichtsausdruck – echt super. Das Fell – so sauber war es nie im richtigen Leben. Knuti, mein Süßer“, sagt Gerlinde Sperber, auch ein Knut-Fan. Wie viele Besucher hat sie ein Foto mitgebracht und vergleicht es mit dem ausgestellten Körper. Alles sei wirklich gut geworden. „Bis auf die Ohren, die sind unten ein bisschen abgeschrägt auf dem Foto, hier sind sie rund“, wiederholt sie ständig. Als echte Kritik meint sie das nicht.

Der Eisbär Knut ist noch bis zum 15. März im Foyer des Naturkundemuseums, Invalidenstraße 43, zu sehen. Der Eintritt ist kostenlos. Geöffnet ist Sa und So 10–18 Uhr, Die bis Fr 9.30–18 Uhr. Ab 2014 soll der Eisbär im Rahmen einer neuen Dauerausstellung präsentiert werden.