Berlin - Die Gespräche waren bereits nach einer Stunde abgebrochen worden. Gescheitert ist die Koalition, die sich die Mehrheit der Berliner nach der Wahl gewünscht hat, an einem 3,2 Kilometer langen Autobahnstück.

Der Weiterbau der A 100 von Neukölln nach Treptow hat die SPD und die Grünen von Anfang an gespalten und das Klima unter den Wunschpartnern vermiest. Alle anderen Themen traten in den Hintergrund. Die Grünen lehnen den Weiterbau vehement ab, die SPD will daran festhalten, falls die Umwidmung der Bundesmittel von 420 Millionen Euro nicht möglich ist.

Mit Wowereit und Grünen-Fraktionschef Volker Ratzmann hatten sich zwei wichtige Akteure auf gegensätzliche Positionen festgelegt. Die Versuche, aus der Falle herauszukommen, sind gescheitert.

Zuletzt hatten die beiden Seiten am Dienstag an einem neuen Kompromiss gearbeitet, der aber geheim gehalten und heute präsentiert werden sollte. Es hat offenbar nicht funktioniert. „Bei dem Thema A100 sind die Positionen offenbar nicht in Einklang zu bringen“, sagte Wowereit zur Begründung. Damit dürfte nun die CDU zum Zuge kommen. Die SPD hatte bereits mit Landeschef Frank Henkel und anderen Unionsvertretern ein Sondierungsgespräch geführt, sich dann aber doch für die Grünen entschieden.

Ein Teil der SPD-Linken vertritt allerdings die Position, dass Wowereit und Müller von Anfang an eher mit der Union geliebäugelt haben und die Grünen-Gespräche demonstrativ an die Wand fahren ließen. Noch am Wochenende hatte Müller mit Rot-Schwarz gedroht, nachdem die Grünen auf ihrem Parteitag bei ihrem Nein zur Autobahn blieben. Rot-Schwarz hätte eine stabile Mehrheit, während Rot-Grün nur an einer Stimme Mehrheit gehangen hätte.

Mit der Union könnte Wowereit seine A100 bauen, selbst die Kunsthalle, ein Lieblingsprojekt von ihm, wäre wohl möglich. Allerdings droht Ärger in der SPD. „Das wird eine Zerreißprobe“, prognostizierte ein einflussreicher SPD-Linker kurz nach der Entscheidung. Am Nachmittag trifft sich der SPD-Landesvorstand zur einer Krisensitzung.