Jährlich gut 30 Millionen Touristen sind Image- und Wirtschaftsfaktor zugleich. Berlin ist beliebt wie nie. Wie dieser Tourismus, dem alle Koalitionäre den gebührenden Stellenwert zubilligen, so gestaltet werden kann, dass er als „stadtverträglich“ durchgeht, wird Aufgabe des neuen Senats sein. Es wäre ein bundesweit, wenn nicht gar europaweit einmaliges Unterfangen, das vor allem auf Drängen von Friedrichshain-Kreuzberg aufgenommen wurde.

Dort weiß man, was nicht stadtverträglich ist: „Massen von Touristen, die mit Rollkoffern und im Partyrausch lautstark durch die Straßen ziehen“, sagt Bürgermeisterin Monika Herrmann. Die Grünen-Politikerin plädiert schon lange für einen Interessensausgleich zwischen Anwohnern, Gewerbetreibenden und Touristen.

Genau der steht jetzt als Ziel im Koalitionsvertrag. Dazu zählt, dass besonders vom Tourismus belastete Bezirke von den Einnahmen aus der Übernachtungssteuer City-Tax, die jeder Berlin-Besucher entrichten muss, profitieren sollen. Für zusätzliche Straßenreinigung, für Gäste-Toiletten und mehr Müllbehälter. Und für mehr Polizei in Szenekiezen. Auch die Erarbeitung eines Hotelentwicklungsplanes für die Stadt steht im Papier, zur besseren Lenkung der Gästeströme.

Der Stellenwert des Kongress-Tourismus’ als Wirtschaftsfaktor wird im Koalitionspapier übrigens besonders hervorgehoben. Der rot-rot-grüne Senat will das ICC sanieren und wieder als Kongresszentrum nutzbar machen.