Was essen Sie im Berliner Stadtdschungel wenn es mal schnelle gehen muss? Currywurst mit Pommes-Schranke bei Absolut Curry hinterm Schloss Bellevue? Oder doch den guten alten Döner vom Rosenthaler Grill in Mitte oder vielleicht Köfte bei Gel Gör oder Saray in Kreuzberg? Alles gute Adressen die wir für den Mittagssnack bedingungslos empfehlen können. Nur, man hat nicht immer Lust am Stehtisch aus der Hand zu essen. Manchmal muss zwar was deftiges her, aber man hat gar keine Lust auf die gute alte Imbissbude.

Aber zu teuer soll es eben auch nicht sein. Wie wäre es jetzt mit etwas fast genauso Einfachem? Das Wort Hausmannskost beschreibt diesen Zustand ganz gut, auch wenn es längst aus der Mode gekommen ist. Und noch ein Problem, wo findet man in Berlin wirklich gute und günstige Königsberger Klopse, Eier mit Grüner Soße und Spinat oder eine gefüllte Paprika? Meist sind die sogenannten „Alt-Berliner“ Lokale heruntergekomme Schankwirtschaften, wo zwar das Bier schmeckt, aber das Essen aus der Mikrowelle kommt. Pfui Teufel sagen wir - es sei denn, Sie lieber Leser, schreiben uns Ihren besten Tipp für ein Berliner Lokal, dass wirklich Top-Oma-Küche anbietet.

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Mit dem Weekender: Auf Kurztrip nach Anatolien.

Bis wir Ihre Tipps ausgewertet haben, müssen wir uns derweil mit türkischer Hausmannskost begnügen. Das heißt eher: Wir lassen uns von ihr beglücken. Denn in der Wiener Straße in Kreuzberg gibt es schließlich die türkische Garküche Mercan. Und bei Mercan gibt es türkische (beziehungsweise deutsche, denn türkischstämmige Mitbürger sind in Berlin ja mindestens genauso deutsch wie die sogenannten Bio-Deutschen) Hausmannskost zum Niederknien für 13 Euro mit allem pipapo und allem Drum und Dran: Gefüllte Paprika mit Reis und Rohkostsalat (Möhre und Rotkohl), Kalbfleisch-Eintopf mit Kartoffelsalat. Ein Menü beinhaltet ein Hauptgericht (man kann wählen zwischen fünf oder sechs Schmortöpfen, die in großen Zinntöpfen vor sich hin simmern), einer Sättigungsbeilage und einem Salat. Dazu gibt's immer Joghurt und Brot.

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Alles sehr, sehr lecker!

Türkische Schmorgerichte von der besten Leih-Oma

Türkisch? Das ist doch nicht türkisch, werden Sie jetzt fragen. Das klingt doch fast schon nach den Rezepten von Oma. Stimmt, es ist aber noch besser, denn es handelt sich um herrliche türkische Schmorgerichte. Die grünen Paprika mit herrlich pikanter Fleischfüllung schwimmen in einer sanften Tomatenbrühe, die man mit einer eingetauchten Scheibe Fladenbrot zu einer Köstlichkeit verwandelt. Die Rohkostsalate aus der Vitrine schmecken auch, als wäre das Gemüse direkt von Oma in der Kittelschürze aus dem Garten geholt und schnell geraspelt worden. Hat man einmal zugelangt, will man so einen Salat jeden Tag auf's Neue. Und schon ist man wie die vielen Rentner und Nachbarn glücklicher Stammkunde.

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Das beste bei Mercan sind, na klar, die dicken grünen Paprika!

Stichwort Oma: Die Mercan-Schwestern, die das Lokal Anfang der 2000ern von ihrem Vater übernahmen, dessen Porträt im großen Gastraum hängt, sind zwar rüstig, aber noch lange keine Senioren. Sie sind allerdings zu allen Gästen so fürsorglich wie die beste Oma der Welt. „Hat's geschmeckt, ihr beiden?“, fragt die eine hinten, während die andere einem älteren Herren in grauer Multifunktionsweste vorne im Lokal mütterlich die Hand auf die Schulter legt und noch einen türkischen Kaffee mit Kardamom auf den Tisch stellt. Wir wollen auch einen haben, nicht nur, weil der kleine schwarze wirklich großartig gebrüht ist, sondern weil er mit einer verzierten silbernen Haube serviert wird.

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Mercan ist ein Anker in stürmischen Zeiten: Im Schankraum hängt ein Foto vom Bosporos.

15 Euro für einen Urlaub in Anatolien? Das ist billiger als Ryanair

Zusammen mit einer Filterzigarette fühlt man sich umgeben von frechen Spatzen auf der Terrasse neben dem Pop-up-Radweg dann wirklich wie in 1001 Nacht. Oder zumindest wie im schönen Anatolien. Und das für unschlagbare 15 Euro. Und das kann noch nicht mal Ryanair.

Interessant: Bis 2006 residierte das Restaurant noch eine Straße weiter und früher gehörte sogar noch ein Hotelbetrieb dazu. „Hotel ist nicht ganz richtig“, sagt eine der Schwestern, die nach dem Tod ihres Vaters das Geschäft übernommen hat. „Mein Vater hatte über dem Restaurant ein Wohnheim für die vielen Obdachlosen in Berlin eingerichtet, denen er abends bei sich Schutz und eine warme Mahlzeit spendierte.“ Wir finden so viel Liebe und Gastfreundschaft kann man bei Mercan nicht nur fühlen, sondern auch schmecken. Wir empfehlen die gefüllte Paprika, die müssen Sie probieren.

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Mhhhhhmmmmm, so klingt Mokka bei Mercan.

Bewertung: 4 von 5 Punkten!

Restaurant Mercan, Wiener Straße 10, 10999 Berlin, täglich 11 bis 22.30 Uhr.

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Akrobatisch und hungrig: Auch die Spatzen lieben Mercan

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