Berlin - Der Kietzer Graben ist ein kleiner Wasserlauf zwischen Dahme und Müggelspree am Rande der Köpenicker Altstadt. Angelegt wurde er Anfang des 18. Jahrhunderts als Entwässerungsgraben, als im damals fernen Berlin Schleusen entstanden und darauf in Köpenick der Wasserspiegel der Spree anstieg. Seither trennt der Graben den Fischerkietz nahe dem Schloss von der Altstadt, die so zur Insel wurde. Das Inselgefühl ist allerdings kaum spürbar, weil es Straßenbrücken gibt.

Im Südost-Bezirk, wo es das meiste Wasser der Stadt gibt, fließt der kleine Graben weitgehend unbeachtet. Außer Enten und ausrangierten Fahrrädern ist dort nichts zu sehen. Und doch ist das seichte Gewässer derzeit Stadtgespräch. Denn es bekommt eine neue Brücke. Sie wird unmittelbar neben dem Heimatmuseum am Alten Markt gebaut und heißt Kietzgrabensteg. Der wird 24 Meter lang und 2,65 Meter breit und soll im April kommenden Jahres für Fußgänger nutzbar sein.

Kopfschütteln in Köpenick

Doch Fußgänger oder gar Touristen verirren sich kaum in diese Gegend. Die Brücke beginnt am Amtswäldchen, einer Brache, für die sich seit Jahren kein Investor findet. Und sie endet auf einer einsamen Wiese hinter dem Museum, die zur benachbarten Bibliothek gehört.

Die Brücke ins Nirgendwo kostet 412.000 Euro. Viele Köpenicker kommen aus dem Kopfschütteln nicht mehr heraus – angesichts der Tatsache, dass etliche der 140 Brücken im Bezirk marode sind, es jedoch an Geld und Personal für die Sanierung fehlt. Und: Nur knapp 80 Meter weiter, an der Landjägerstraße, gibt es bereits eine Brücke.

Auch im Rathaus sei man skeptisch, ob die neue Brücke nötig ist, heißt es dort. Geplant wurde sie schon vor 12 Jahren, um die Wasserlage aufzuwerten – mit einem Biergarten oder mit Veranstaltungen. Dass das Geld vom Senat erst jetzt komme, sei misslich. Aber weil es ausschließlich für diese Brücke ausgegeben werden darf, habe man zugegriffen. Wann der Biergarten eingerichtet wird? Keiner weiß es. Wenn es dafür Geld gibt, ist der Kietzgrabensteg vermutlich schon wieder marode.