Autofahrer im Osten Berlins sollten sich schon einmal mental auf eine neue Großbaustelle vorbereiten. Denn die Lange Brücke, die beim Schloss Köpenick über die Dahme führt, soll ganz oder teilweise neu gebaut werden. Das teilt die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung mit. Noch überlegen die Planer, wie sie dort vorgehen. Doch klar ist schon jetzt: Die Bauarbeiten werden den Verkehr auf der Direktverbindung von der Altstadt Köpenick in die Köllnische Vorstadt, nach Spindlersfeld und Adlershof stark behindern. „Wir hoffen, dass die Strecke halbwegs passierbar bleibt“, sagt der Baustadtrat von Treptow-Köpenick, Rainer Hölmer (SPD).

„In Berlin ist nichts so dauerhaft wie ein Provisorium“, weiß der Politiker. Wohl wahr. Hölmer meint die Behelfsbrücke, die sich neben der alten Langen Brücke von 1890 befindet. Die grünblaue zweiteilige Stahlkonstruktion entstand, als nebenan die historische Brücke zwischen 1995 und 1998 instand gesetzt wurde. Eigentlich sollte die Behelfs-Überführung nach ein paar Jahren wieder abgebaut werden. Doch sie trägt bis heute zwei Fahrspuren und ein Straßenbahngleis, weil die alte Brücke nicht den gesamten Verkehr aufnehmen kann. 2006 bekam sie die Note 2,3, was „befriedigender Bauwerkszustand“ bedeutet, 2008 wurde sie teilweise erneuert. Auf Dauer kann diese Brücke aber nicht bleiben, so die Planer.

„Wir müssen uns um die Behelfsbrücke kümmern“, sagt Daniela Augenstein, Sprecherin von Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD). Im Bezirksamt ist von Schäden die Rede, die relativ bald ein Reagieren erfordern. Und auch davon, dass es bei der historischen Brücke ebenfalls Probleme gibt. Das sieht man im Senat differenzierter. Augenstein: „Der Zustand der denkmalgeschützten Gewölbebrücke hat sich nicht verschlechtert. Da keine neuen Bauschäden festgestellt wurden, sind auch keine Instandsetzungsmaßnahmen geplant.“ Aber schon wegen des Zustands der Behelfsbrücke müssten die Planer darüber nachdenken, wie sich der Verkehr in diesem Bereich langfristig bewältigen lässt. Die Belastung nehme zwar Prognosen zufolge ab, aber nur unwesentlich.

Denkmalschutz redet mit

Klar sei schon jetzt dass ein „Rückbau der Behelfsbrücke“ erforderlich ist – zu deutsch: ein Abriss. Noch zu entscheiden ist, ob an ihrer Stelle erneut eine Zusatzbrücke für den Verkehr nach Westen entsteht – oder eine ganz neue Brücke, die den gesamten Verkehr aufnimmt. Dabei geht es auch darum, die alte Lange Brücke ganz oder teilweise zu erhalten. Es müsse zwischen verkehrlichen Zwängen und den Interessen des Denkmalschutzes abgewogen werden, heißt es. „Mit einer Entscheidung ist nicht vor Frühjahr 2013 zu rechnen“, sagt Augenstein. Es ist noch einiges zu planen. Aber dann geht es in absehbarer Zeit los.