Berlin - Die meisten Bäume und Büsche sind abgeholzt, auch die Dorngrasmücke ist weg. Die kleinen seltenen Vögel, die sich im Gesträuch des seit Jahren brachliegenden Rewatex-Geländes in Spindlersfeld wohlfühlten, wurden nach Adlershof gebracht. Dort hat man ihnen eine neue Heimat geschaffen.

Auf dem rund zehn Hektar großen Grundstück an der Ernst-Grube-Straße, auf dem mehr als hundert Jahre lang Wäsche gereinigt wurde, stehen nur noch einige rot geklinkerte Industriegebäude. Im Sommer sollen die Bagger anrollen: Auf der Spreebrache in Köpenick soll dann die Wasserstadt Spindlersfeld entstehen. Gut 800 Wohnungen sind geplant.

„Das Besondere ist die unmittelbare Wasserlage, aber auch die Mischung aus Alt und Neu“, sagt Sören Schwaar, Bevollmächtigter des Investors, der Kanton Grundstücksentwicklungsgesellschaft mbH. Alt sind die Industriebauten, die seit über 20 Jahren leer stehen und die recht marode sind. Doch sie sind Denkmale und sollen wieder hergestellt werden. Im zentralen Haupthaus, dem sogenannten Ringbau, sollen etwa 320 Wohnungen entstehen, die zwischen 50 und 250 Quadratmeter groß sind. In weiteren Altbauten sollen schicke Galerie-Lofts eingebaut werden. Weitere etwa 500 Wohnungen sind in Neubauten geplant, die zwischen den denkmalgeschützten Altbauten entstehen. „Wir bauen acht Townhouses, die Spindlertowers, direkt am Spreeufer“, sagt Schwaar. Auch mehrere Tiefgaragen seien geplant.

Sauna und Videoüberwachung

Den Bewohnern des neuen Stadtquartiers wird viel Komfort versprochen: eine Sauna, Conciergedienste und ein Sicherheitsdienst mit Videoüberwachung. Preisgünstig sind die meisten der Eigentumswohnungen also nicht. Trotzdem, sagt Schwaar, seien viele bereits verkauft. Vor allem an Kapitalanleger, die die derzeit günstigen Zinsen und die Steuerabschreibungen für Denkmale nutzen. Laut Exposé des Investors kann man zum Beispiel Spree-Apartments ab 143 000 Euro erwerben. Sie sollen zwischen 43 und 85 Quadratmeter groß sein.

Verschattung der Nachbarschaft

Seit zehn Jahren gehört die Brache dem Unternehmen. Seitdem laufen die Planungen. Doch längst sind nicht alle Fragen geklärt, sagt Ulrike Zeidler, die Amtsleiterin für Stadtentwicklung in Treptow-Köpenick. So hätten Nachbarn von Einfamilienhäusern am Eiselenweg eine Verschattung durch die fünfgeschossigen Spindler-Towers beklagt. „Da muss der Investor nachbessern, mit weniger Geschossen den Übergang sanfter gestalten“, sagt Zeidler. Auch der Verkehr beschäftigt die Anwohner im bislang eher verträumten Spindlersfeld. Weil mehr als 1 000 Bewohner neu hinzukommen, muss der Investor die schmale, mit Kopfsteinen gepflasterte Ottomar-Geschke-Straße ausbauen. Sie soll einen Bitumenbelag und eine neue Regenentwässerung bekommen. Auch die Ausweitung der Kreuzung Oberspreestraße gehört dazu.

Vertraglich verpflichtet hat der Bezirk den Investor auch zum Bau einer Kita mit 80 Plätzen in der Wasserstadt sowie zur Schaffung von bis zu 90 Grundschulplätzen in Adlershof. Dafür wird dort eine bisherige Jugendfreizeitstätte umgebaut. Auch einen öffentlichen Uferweg, sämtliche Straßen im Quartier sowie einen Radweg muss der Investor bauen. Im Gegenzug hat man im Bezirksamt darauf verzichtet, den Bauherren zur Schaffung von 25 Prozent Sozialwohnungen zu verpflichten, wie es in Berlin sonst üblich ist. Doch möglicherweise wird man auch in der noblen Wasserstadt Spindlersfeld preisgünstig wohnen können. Sören Schwaar sagt: „Wir sind in Verhandlungen mit städtischen Wohnungsbaugesellschaften, die einen Teil der Fläche kaufen und dort Sozialwohnungen bauen könnten.“