Der Eigentümer der alten Eisfabrik in der Köpenicker Straße in Mitte hat die dort wohnenden Menschen aufgefordert, die Halbruine bis zu diesem Freitag um 9 Uhr zu verlassen. Zudem verlangte die in Bochum residierende Telamon GmbH am Donnerstag erneut vom Bezirksamt Mitte, die Bewohner in Obdachlosenunterkünften unterzubringen.

Die Initiative „Zwangsräumung verhindern“ rief Unterstützer dazu auf, um 8 Uhr zur alten Eisfabrik zu kommen und von dort zum Rathaus Mitte zu ziehen. Ziel sei es, mit dem Bezirk in Verhandlungen zu treten. Die Fraktionen der SPD, Grünen und der Linken hätten Gespräche angeboten, so die Initiative.

Auf dem Gelände in der Köpenicker Straße 40/41 wurde seit 1896 Eis produziert. In den 90er Jahren stellte der Betrieb, eine der ältesten Eisfabriken Deutschlands, die Herstellung ein. Seit 1995 stehen die verbliebenen Gebäude leer. In den denkmalgeschützten Bauten leben jetzt Bulgaren und Rumänen – ohne Mietvertrag, ohne Wasser, Strom und Heizung. Laut Telamon gibt es derzeit rund 50 Bewohner.

Am Montag entschied das Verwaltungsgericht Berlin in einem Eilverfahren, dass der Eigentümer verpflichtet ist, das Gebäude und das Grundstück gegen unbefugte Nutzer zu sichern. Daraufhin brachte das Unternehmen am Dienstag in Abstimmung mit der Polizei Schilder in deutscher und bulgarischer Sprache an, die alle Bewohner zur Räumung auffordern – Termin 27. Dezember, 9 Uhr.

„Dies geschah in dem Vertrauen darauf, dass die Eigentümerin der Eisfabrik bereits am 18. Oktober 2013 beim Bezirk Mitte von Berlin einen Antrag gestellt hat, die Bewohner in Obdachlosenunterkünften unterzubringen und das Verwaltungsgericht Berlin diesen Anspruch der Bewohner in seiner Entscheidung bestätigt hat“, teilte die Telamon GmbH mit. (BLZ)