Der jüngste Mitarbeiter heißt Iwan. Er ist ein großer kaukasischer Hirtenhund, dessen braune Augen aufmerksam alles beobachten, was am Müggelturm passiert. Seit Iwan da ist, habe es rund um den Turm in den Müggelbergen keine Einbrüche und Brandstiftungen mehr gegeben, sagte der Eigentümer des Areals Matthias Große. Und: „Auch Leute, die mit Autos voller Müll herkamen und ihn hier entsorgen wollten, kehrten schnell wieder um.“

Matthias Große, ein Köpenicker Immobilienunternehmer, ist seit gut acht Monaten Eigentümer des Turms, der als Köpenicker Wahrzeichen gilt, sowie eines etwa 6 000 Quadratmeter großen Geländes drum herum. Er ist schon der fünfte Investor, der sich dort versucht. Seit der Schließung des Ausflugslokals neben dem Turm vor gut 20 Jahren haben Interessenten vergeblich versucht, die Gegend im Südosten Berlins wieder zu dem zu machen, was sie einmal war: ein Ausflugsziel mit jährlich bis zu 250 000 Besuchern.

Vor wenigen Tagen, am 16. Januar, hat Große seinen Bauantrag im Köpenicker Rathaus abgegeben. Jetzt wartet er auf Antwort vom Amt. Am Montag stellte er die Berliner Pilsner-Brauerei als finanzstarken Partner für die nächsten zehn Jahre vor.

600 Kubikmeter Schutt

„Auch wenn es auf den ersten Blick nicht so aussieht, haben wir bislang schon viel geschafft“, sagte er. Der Vorbesitzer hatte das denkmalgeschützte Lokal abreißen lassen. Was übrig blieb, ist eine Ruine. Die soll wieder aufgebaut werden. Große musste 600 Kubikmeter Schutt abtransportieren und die Terrasse abdichten lassen. In die ehemalige Küche des Lokals wurden Holzfenster eingesetzt. Auch die Anschlüsse mit Wasser, Abwasser und Gas sind inzwischen gesichert.

Große: „Wenn wir die Baugenehmigung haben, ist in 365 Tagen alles fertig.“ Der 47-Jährige gilt als erfolgreicher Selfmade-Manager. Im Jahr 1989 kam er aus der damaligen Sowjetunion zurück, wo er an einer Militärakademie studierte. In Berlin war er Toilettenmann und Wachschützer, dann gründete er sein Unternehmen. Er baut Supermärkte, Imbisse und Wohnungen.

Am Müggelturm musste er erfahren, dass nicht alle Wünsche erfüllbar sind. So wird es wohl keinen Pool auf der Terrasse geben, und auch auf einen Fahrstuhl zur Aussichtsplattform des Turms hat er erst mal verzichtet. „Wir konzentrieren uns jetzt auf das Machbare“, sagte er. Auf eine Terrasse, die nach neuesten Plänen überdacht und verglast sein soll, und auf drei Ausflugslokale - eine rustikale Baude, ein deutsch-italienisches Lokal und einen Imbiss. Auch Veranstaltungen soll es am Turm geben, dafür ist der ehemalige Radiomoderator Jürgen Karney zuständig. Er plant fürs Erste eine Kindertags-Sause und Konzerte vor dem Turm.

60 Kilometer Sichtweite

Bis zu 60 Kilometer weit kann man von der Aussichtsplattform des Müggelturms gucken. Um die historischen Sichtachsen von 1962 wieder herzustellen, durften 180 Bäume gefällt werden. Jetzt stehen noch 30 Eichen im Blick. Über ihre Zukunft will Große mit dem neuen Stadtentwicklungssenator reden.

Ein weiteres Thema wird die Verkehrsanbindung sein – ein generell schwieriges Problem, wenn es um Waldgebiete geht. Die enge öffentliche Straße vom Müggelheimer Damm endet etwa 200 Meter vor dem Turm-Areal, auf den offiziellen Parkplatz passen 50 Pkw. Große: „Um wirtschaftlich erfolgreich zu sein, rechnen wir mit 500 bis 1 000 Parkplätzen.“ Das Thema müsse politisch entschieden werden. Seine Vision ist ohnehin eine andere: Vom Fuße der Müggelberge könnte eine gläserne Kabine per Seilzug auf Schienen bis zur Terrasse seines Lokals fahren. Doch erst einmal, sagte er, müsse die Terrasse fertig werden.