Berlin - Er ist einer der bekanntesten Märkte der Stadt und zieht jetzt um. Beginnend mit diesem Wochenende bauen die Händler des Sonnabend-Marktes am Kollwitzplatz in Prenzlauer Berg ihre Stände auf der Kollwitzstraße auf und nicht wie bisher in der Knaack- und einem Teil der Wörtherstraße auf der anderen Seite des Platzes.

Für die Verlagerung des Marktes gibt es zwei Gründe. Zum einen werden in der Knaackstraße in den nächsten Wochen die Gehwege erneuert, für einen Markt ist dann kein Platz. Zum anderen hat sich der Bezirk Pankow nach einem langen Rechtsstreit mit einer Anwohnerin per Vergleich darauf geeinigt, einen neuen Standort zu finden. Das ist nun passiert und wird auch so bleiben. „Das ist eine dauerhafte Lösung“, sagt der für das Ordnungsamt zuständige Stadtrat Torsten Kühne (CDU).

Die Auseinandersetzungen um den Markt begannen im Jahr 2008, als eine Anwohnerin der Knaackstraße sich über den morgendlichen Lärm beim Aufbau der Stände beschwerte. Die Frau registrierte fortan sämtliche Verstöße gegen Brandschutz- und Sicherheitsbestimmungen, sie maß Abstandsflächen und fotografierte alle Details. Das Bezirksamt Pankow organisierte Runde Tische und versuchte, eine außergerichtliche Lösung zu finden. Ohne Erfolg. Die Anwohnerin erreichte mit ihrem Protest, dass die Markthändler ihre Stände am Sonnabend erst ab 8.30 Uhr aufbauen dürfen.

Ziel: einheitliche Regelungen

Mit dem neuen Standort kann Marktbetreiber Philipp Strube gut leben. Auf der Kollwitzstraße gibt es genug Platz für alle 85 Stände. Strube sagt: „Ich bin zufrieden, aber ich wäre auch gern an der alten Stelle geblieben.“ Der gelernte Sozialarbeiter aus Kreuzberg eröffnete 1995 in der Kollwitzstraße das Geschäft Bruno mit edlen Weinen, italienischem Käse, Oliven und seltenen Delikatessen. Seit dem Jahr 2000 führt er am Kollwitzplatz den Wochenmarkt. Der wurde mit einer anspruchsvollen Auswahl an Lebensmitteln und Öko-Produkten schnell zu einem der berühmtesten Wochenmärkte der Stadt. Reiseführer empfehlen einen Marktbesuch, Gourmet-Magazine loben die Auswahl des Feinkostangebotes. Prominente aus dem Viertel, Politiker und Künstler, sind auf dem Markt ebenso anzutreffen wie Touristen und Familien aus dem Kiez. Etwa 5.000 Besucher kommen jedes Wochenende.

Mit dem Umzug des Marktes ist für Stadtrat Kühne das Thema Kollwitzmarkt aber noch nicht beendet. Für das Frühjahr plant er eine Zusammenkunft von Polizei, Feuerwehr und Mitarbeitern von Behörden. Kühne will einheitliche Regelungen für alle Wochenmärkte im Bezirk.

Bisher kontrollierten die Mitarbeiter des Ordnungsamtes vor allem den Sonnabend-Markt von Philipp Strube. Der sprach von „Schikane“und musste Händlern kündigen. Für den Ökomarkt, der jeden Donnerstag ebenso am Kollwitzplatz aufgebaut wird, interessierten sich die Behörden dagegen bisher nicht, obwohl dort etwa Durchfahrtsmöglichkeiten für die Feuerwehr wegen aufgestellter Bänke nicht eingehalten werden.

Am Marktkonzept will Stadtrat Kühne vorerst nichts ändern. Sein Vorgänger im Amt, Jens-Holger-Kirchner (Grüne), hatte im August 2011 ein Interessenbekundungsverfahren eingeleitet, um einen neuen Betreiber für den lukrativen Markt zu finden. Etliche Interessenten hatten sich beworben. Dieses Verfahren hat Kühne nun gestoppt. Er hat nichts einzuwenden gegen Strubes Marktkonzept. Kühne sagt: „Der Markt ist über die Grenzen der Stadt bekannt, er macht das Flair des Kiezes aus und ist eines der wenigen alten Dinge, die es in Prenzlauer Berg noch gibt.“ Ein neuer Betreiber, so seine Befürchtung, könnte dieses Erfolgskonzept zerstören.

Ob sich die Anwohner der Kollwitzstraße an den Markt vor ihren Häusern gewöhnen werden und jetzt jeden Freitagabend ihr Auto umparken, um nicht abgeschleppt zu werden, wird sich zeigen. Marktchef Strube jedenfalls hat schon mal vorsorglich Hinweisschilder unter die Scheibenwischer der parkenden Autos rund um den Kollwitzplatz gesteckt.