Berlin - Das Krankenhaus am Rande der Stadt, in dem sich meine knapp zwei Jahre alte Tochter mit einem Norovirus ansteckte, sucht einen Feel-Good-Manager. Einen Wohlfühl-Manager, das hätten wir damals gebraucht.

In Deutschland gibt es laut Handelsblatt rund einhundert Feel-Good-Manager. Der Trend kommt von den Internetkonzernen in Amerika. „Sie haben die Hauptaufgabe, Mitarbeiter glücklich zu machen, zu motivieren und ihre Leistungen auf hohem Niveau zu halten“, stand in der Stellenausschreibung des Krankenhauses am Rande der Stadt.

Ich dachte an das Pflegepersonal, das sich im Krankenhaus am Rande der Stadt um uns gekümmert hat. Sie gaben ihr Bestes, aber sie wirkten gestresst, abgehetzt, kurz angebunden. Schwester Michelle war die einzige, die ein persönliches Wort wechselte. Sie hatte grad erst im Job angefangen.

Im Krankenhaus: Infiziert mit dem Norovirus

Meine Tochter war schwer krank geworden, Lungenentzündung, sie brauchte Sauerstoff. Nach vier Tagen kam heftiger Durchfall hinzu. Eine junge Ärztin teilte mit, dass es sich um den Norovirus handelte. Er gilt als Supererreger, hochansteckend und für Kranke und kleine Kinder gefährlich.

In Entwicklungsländern sterben daran jedes Jahr 200.000 Kinder unter fünf Jahren. Wir hatten Glück, wir waren nicht in Afrika, wir waren im Krankenhaus am Rande der Stadt. Trotzdem fragte ich mich, wie das passieren konnte. Den könne sie sich überall geholt haben, sagte die Ärztin, in der Kita zum Beispiel. Meine Tochter hatte das Krankenbett seit vier Tagen nicht verlassen. Die Inkubationszeit beträgt nur wenige Stunden. „Das Leben ist kein Ponyhof“, sagte die Ärztin mit jenem Humor, den man sich wohl im Krankenhaus aneignet.

Pflegemangel: Eine Schwester für zwei Flure

Sie bat mich um Diskretion, mit Blick auf die anderen Patienten im Zimmer. Offenbar hatte es einen anderen Fall auf Station gegeben, einige Schwestern hatten sich angesteckt. Das fand ich aber erst später heraus. Als eine Mutter im Zimmer erfuhr, dass meine Tochter den Norovirus hatte, packte sie ihren Einjährigen und verließ das Krankenhaus, nachts um elf. Nach den Richtlinien des Robert-Koch-Instituts müssten Patienten mit Norovirus isoliert werden, las ich später.

Ich mache den Schwestern keinen Vorwurf, wenn man von Patient zu Patient eilt, kann man es schon einmal vergessen, sich die Hände zu desinfizieren. Mein Mann und ich blieben abwechselnd bei unserer Tochter, wir wechselten Windeln, Strampler und Bettzeug viele, viele Male, zeitweilig im Minutentakt. Ich fragte mich, wie die Pflegerinnen das ohne uns geschafft hätten. Am Wochenende war eine Schwester allein für zwei Flure verantwortlich. Ich putzte die Türklinken und die Oberflächen mit Desinfektionsmittel, weil die Putzfrau das morgens vergessen hatte. Wie durch ein Wunder blieb ich gesund.

Viel zu tun für den Feel-Good-Manager

Vielleicht braucht das Krankenhaus am Rande der Stadt eher einen Hygiene-Manager als einen Feel-Good-Manager? Die Anwesenheit der Eltern verschleiert den Notstand, der auf vielen Stationen herrscht.

Laut Erhebungen des Statistischen Bundesamts ist die Zahl der Pflegekräfte in Berlin zwischen 1991 und 2016 in Berlin um 31 Prozent gesunken – so stark wie in keinem anderen Bundesland. Die Zahl der Patienten stieg unterdessen um ein Drittel. Der Feel-Good-Manager im Krankenhaus am Rande der Stadt hat wahrscheinlich jede Menge zu tun.