Berlin: An diesem Tag wurden 50 Fahrräder geklaut – eines gehörte uns

Es war ein wirklich schöner Abend, der ein jähes Ende fand, als wir aus einem Berliner Kino kamen: Diebe hatten unser Fahrrad gestohlen.

Berlin, Alexanderplatz: Auch die dicksten Schlösser sind nicht sicher.
Berlin, Alexanderplatz: Auch die dicksten Schlösser sind nicht sicher.Emmanuele Contini

Der Schock hätte nicht sehr viel größer sein können. Denn das Davor passte so überhaupt nicht zum Danach. Wir waren mal wieder im Kino. Endlich mal wieder. Der Film war lustig, unterhaltsam und auch ein klein wenig zum Nachdenken. Er spielte unter südlicher Sonne und war damit das perfekte Gegenstück zu diesem kühlen Berliner Novemberabend.

Wir kamen also vergnügt aus dem Kino in der Kulturbrauerei und gingen zu unseren Fahrrädern. Doch von den zwei Rädern, die wir zwei Stunden zuvor angeschlossen hatten, war eines verschwunden. Gestohlen.

Obwohl es recht sinnlos war, suchten wir nach dem Rad meiner Frau. Es war extra mit einem extradicken Gliederschloss gesichert, das als schwer zu knacken gilt. Es ist eine absurde Entwicklung: Wir kaufen immer leichtere Fahrräder, weil wir sie nicht gern die Treppen zur S-Bahn hoch- oder die Kellertreppe runterschleppen wollen. Aber all die Kilos, die an den modernen Hightech-Rädern eingespart werden, packen wir dann in die Sicherheit und kaufen immer dickere und schwerere Schlösser.

Trotzdem war das Schloss für die professionellen Verbrecher nicht schwer zu knacken. Wir ärgerten uns, weil wir nun für ein neues Fahrrad fast so viel Geld würden ausgeben müssen wie für unseren kleinen Herbsturlaub. Wir fluchten und wurden wütend, weil irgendwelche Egoisten sich einfach so an unserem Eigentum vergriffen hatten. Weil sie sich zielgerichtet das gerade mal zwei Monate alte Fahrrad ausgesucht hatten. Sie hätten doch auch mein uraltes nehmen können.

Etwa 50 Räder an einem Tag geklaut

An diesem Tag wurden laut Polizei im Umfeld der Kulturbrauerei genau zwei Räder gestohlen. In ganz Berlin waren es an dem Tag etwa 50. Es können aber auch mehr gewesen sein oder auch weniger. Denn nicht alle Opfer zeigen einen Diebstahl gleich am selben Tag an, manche erst Wochen später, wenn die Versicherung das verlangt. Andere haben längst aufgegeben und melden sich gar nicht mehr bei der Polizei, weil es ihnen schon zu oft passiert und die Aufklärungsquote niedrig ist.

50 Fahrräder am Tag sind auch 50 Diebstahlopfer. Und ein Fahrrad ist noch eine vergleichsweise harmlose Sache. Finanziell ganz anders ist es, wenn das Auto plötzlich nicht mehr da ist. Und emotional ist es viel dramatischer, wenn man nach Hause kommt und die Wohnungstür ist aufgebrochen. Ganz zu schweigen von Gewalttaten.

Das geklaute Rad war eine vergleichsweise leichte Straftat. Aber das macht es nicht besser. Deshalb zum Schluss noch ein Gruß an die Kriminellen dieser Stadt: „Mit Verlaub meine Herren, Sie sind Arschlöcher.“