Haben Sie, liebe Leserin, einen Mann, einen Freund, einen Liebhaber? Einen, der bindungsfähig und kinderlieb ist, Versprechen hält und zuhört? Er muss sich nicht durch teure Aufmerksamkeiten empfehlen: Ein Klempner erzählt, dass er seiner Frau zuliebe im Frühjahr und im Herbst – unaufgefordert – den Kühlschrank von der Wand abrückt, damit sie den auch mal hinten abwischen kann. In meinen Augen ist das ein Liebesbeweis. Haben Sie einen Mann, den Sie vermissen, wenn er längere Zeit nicht da ist? Gefällt er Ihnen, irgendwie? Dann sagen Sie ihm das auch mal.

Unter meinem Fenster stehen zwei junge Männer mit Kinderwagen. Ein dritter kommt mit Kinderwagen dazu, die kleine Gruppe geht spazieren. Im Sandkasten bückt sich ein Vater, um einem fremden weinenden Kind die Nase zu putzen. Manche Männer kaufen ein und kochen köstlich. Aber wo kommen solche Vertreter ihres Geschlechts vor, wenn heute über Männer geschrieben wird, lieber Leser? Ich glaube, eine Tendenz zu erkennen: Heterosexuelle Männlichkeit wird verspottet, bezweifelt, abgewertet. Immer wieder Seitenhiebe. Fangen wir mit einem harmlosen aktuellem Beispiel an, aus der Süddeutschen Zeitung vom letzten Wochenende: Es geht um die Frage, ob Männer und Frauen Pullunder tragen können. Antwort für Frauen: „Her mit dem Pullunder.“ Antwort für Männer: „Der fragwürdige Rumpfwärmer“ schlägt „jedem Träger sieben bieder verbrachte Lebensjahre auf“. Warum eigentlich? Und warum diese Ironie?

Keine Nuancen

Ich fand keinen Text eines Mannes, der Frauen pauschal angreift oder beurteilt. Über einen längeren Zeitraum hat die weibliche Stimme in Geschlechterfragen den Diskurs erobert. 2012 schrieb eine Kollegin in der Zeit: „Der junge Mann von heute steht abseits und fröstelt. Verkopft, gehemmt, unsicher, nervös und ängstlich ist er, melancholisch und ratlos. Er hat seine Rolle verloren. ... Auf die junge Frau wirkt die neue männliche Innerlichkeit, das subtile Nachhorchen in die tiefsten Windungen der Gefühlsregungen schrecklich kompliziert. Und auf die Dauer furchtbar unsexy.“ Dieses Männerbild kennt keine Nuancen. Und Männer ziehen sich, abgesehen von einigen Autoren und Therapeuten, in Vorsicht und Schweigen zurück, oder – da bin ich nicht dabei – sie drehen nur auf, wenn sie untereinander sind. Richtig widerlich werden manche im Netz.

Vielleicht ist das auch ein Ergebnis unermüdlicher Attacken. Als eine Amerikanerin vor Jahren ihrem schlafenden Mann den Penis mit einem Küchenmesser abschnitt, sah Alice Schwarzer sofort eine neue Zeit kommen: „Amerikanische Hausfrauen denken beim Anblick eines Küchenmessers nicht mehr nur ans Petersilie-Hacken.“ Ich fand in einem Frauen-Ratgeber Tipps, wie ich meinen Ehemann bei der Scheidung ruinieren könnte. Eine Züricher Autorin will Männern in die Hose gesehen und „mickrige Winzlinge“ und „unzuverlässige Schlappschwänze“ entdeckt haben.

Das sind verschiedene Tonlagen. Tonlagen führen zu Konditionierungen. Wie wichtig bleibt den wütenden Frauen die vorurteilsfreie Liebe und Sympathie? Können wir nicht Frauenfreundinnen und Männerfreundinnen sein? Wir müssen reden. Nächste Woche ist wieder Frauentag.