In der Nacht zum Dienstag sind es drei Autos, in Reinickendorf. Vermutlich Brandstiftung, so heißt es in der Mitteilung der Polizei. In der Nacht zum 2. Oktober brennen insgesamt sieben Autos - Lkws, Transporter, Privatfahrzeuge. In Kreuzberg, Friedrichshain, Mitte, Neukölln... Der Staatschutz übernimmt, da man linksextreme Motive vermutet.

Am 5. Oktober brennen Baumaterialien in Friedrichshain. Weil sie zu einem Haus gehören, das saniert werden soll, vermutet die Polizei politische Beweggründe. Am Engeldamm gehören, wie berichtet, Anschläge auf Häuser, Ladengeschäfte und Autos zum Alltag. Und nicht nur am Engeldamm.

Wo auch immer in Berlin der Verdacht aufkommt, es könne etwas erneuert, verbessert oder verteuert werden, ist dieser sogenannte Protest nicht fern. "Mach' kaputt, was Dir nicht passt", lautet offenbar das Denkmuster der Täter, die sich wahrscheinlich auch noch für wehrhaft, manche gar für "politisch" halten.

Es ist ein Muster, das man auch bei vielen Demos beobachten kann, sei es beim Protest gegen eine Zwangsräumung, einer Solidaritätsdemo für Flüchtlinge oder einer Kundgebung gegen Rechts. Aktionen, die von der Idee her Einmischung, Mitbestimmung und Engagement sind, werden gerne von hirnlosen Profilneurotikern genutzt, um sich in Erinnerung zu bringen.

"Hey, wir sind auch noch da", so nach dem Motto. "Und guckt mal, wie böse, wie sauer wir sind." Mehr als diese Botschaft gibt es in der Regel nicht. Das Ergebnis: Brennende Mülltonnen und Autos, zerschmissene Scheiben, verletzte Polizisten und - eine beschädigte Linke und ja, eine ganze beschädigte Zivilgesellschaft.

Der Schaden am Willen zur Einmischung, die Zerstörung linker Ideale und die schlechten Schlagzeilen über Demonstrationen und Proteste mögen harmlos anmuten gegenüber den Schmerzen verletzter Menschen, gegenüber der Angst bedrohter Bürger und den Sachschäden.

Doch die Folgen dieses hirnlosen und vor allem gänzlichen unpolitischen Vandalismus (auch wenn die Täter sich gerne dafür halten, weil sie Draufhauen und Kaputtmachen mit zielführender Kommunikation verwechseln) sind fatal, zutiefst traurig - und das erbärmliche Gegenteil dessen, was Einmischung in die Politik und die Entwicklungen der Stadt eientlich bewirken will.

Veränderung, Nachdenklichkeit, manchmal Verlangsamung. Die Folgen aber sind: Angst, Abstumpfung, Ekel, Resignation. Man will es nicht mehr lesen, nicht mehr sehen, die blöden Parolen nicht mehr hören.

Das Wort "Protest" bekommt so einen negativen Klang. Das Wort "links" auch. Schade ist es um beide Wörter, verdammt schade um die Wirksamkeit richtiger, konstruktiver und friedlicher Proteste und auch um linke Ideale wie Gerechtigkeit und Solidarität. Und katastrophal wird es, wenn nach den Ausschreitungen auf sogenannten "linken" Demos die Rechten sich auf die Brust klopfen können, weil sie ja immer so friedlich sind. Ärger machen die anderen, sagen sie. Und haben perverserweise Recht.

Aber das ist den Randalierern und Zündlern, den Steinewerfern und Farbbeutelschmeißern, den Parolengrölern und sich dummsaufenden Prüglern wahrscheinlich egal. Es geht ihnen gar nicht ums Verändern und Gestalten. Es geht ihnen allein um Selbstdarstellung und das Loswerden des dumpfen Neidgefühls, das sie natürlich niemals zugeben würden. Neid auf die Besitzenden. Neid auf alle, die Ziele haben und sich dafür einsetzen. Und wahrscheinlich sogar Neid auf jeden, der sich anders zu artikulieren weiß als durch Gewalt.