An diesem Donnerstag (29. Mai) läuft der Dokumentarfilm "Welcome Goodbye" in den Kinos an. Die Berliner Regisseurin Nana Rebhan beschäftigt sich darin mit dem Touristenhass, der Hauptstadtbesuchern häufig entgegengebracht wird. Ein Thema, das immer wieder hochkocht.

Leider. Ich wohne im eigentlich toleranten Bezirk Kreuzberg. Dort gehört es offenbar zum guten Ton, sich über Touristen zu echauffieren. Das finde ich lächerlich. Denn was stört die Berliner an den Touristen? Dass sie zu laut sind? Dass sie den Lieblingsplatz beim Italiener blockieren? Eine nervige Schlange im Lieblingskiosk verursachen? Na und?

Fragen Sie mal bei ihrem Lieblingskiosk nach, wie der ohne die Touristen auskommen würde. Nicht gut. Und trotzdem werden hier Transparente mit Parolen wie "Refugees welcome - Tourists piss off" aufgehängt. Die einen sind willkommen, die anderen nicht? Diese Unterscheidung ist vollkommen absurd. Mehr Respekt gegenüber den Touristen, die in unserer Stadt viel Geld ausgeben, wäre angebracht - genau wie wir auch von ihnen erwarten, die Stadt und ihre Bewohner zu respektieren, also Randale und Pöbeleien zu unterlassen.

Viele Touristenhasser führen als Argument an, Berliner Wohnraum würde zweckentfremdet, also für viel Geld an Touristen vermietet. Doch das Problem liegt nicht (nur) bei den Ferienwohnungen. Es ist in der Berliner Wohnungspolitik und der (mangelnden) Förderung von sozialem Wohnraum verwurzelt. Hier ist der Senat in der Verantwortung, nicht die Touristen oder die Vermieter von privatem Wohnraum.

Den Touristen für alles die Schuld zu geben, ist unfair. Wer selbst in den Urlaub fährt und dort Tourist ist, will kaum an Hauswänden lesen, dass er nicht willkommen ist. Auch in der Fremde wollen wir uns zu Hause fühlen.

Berlin will eine weltoffene, tolerante Stadt sein. Dann sollten wir Berliner uns auch nicht vor "Fremden" verschließen - egal, ob es Flüchtlinge sind, die Asyl suchen, oder Touristen, die den Mythos Berlin für sich entdecken. Am Ende kommen wir alle in diese Stadt, weil wir sie lieben oder lieben lernen wollen. Für Hass darf da kein Platz sein.

Bitterböse, ehrlich und schonungslos: Hier können Sie alle bisher erschienen Texte aus der Reihe "Offen gesagt" nachlesen.