Aluhut mit Stricknadel - nicht schön und ganz sicherlich auch recht sinnlos.
Foto: dpa/Boris Rössler

BerlinIch weiß nicht, ob das an dieser Stelle schon mal stand, aber es ist wirklich so: Homeoffice erweitert den Horizont. Allein der Fußweg zum Mittagessen, der dadurch wegfällt – sechs Minuten hin, neun Minuten zurück – eröffnet reichlich Raum für Recherche. Auf dem Privatrechner selbstverständlich! Und so gelangte ich neulich über wenige Umwege in den Besitz einer Bauanleitung für Alu-Hüte, obwohl mein Eintrag in die Suchmaschine urspünglich gelautet hatte:  „Mund-Nasen-Schutz selbst basteln.“ 

Ich erfuhr also, dass sich ein solcher Alu-Hut preisgünstig herstellen lässt und im Vergleich zu den Anschaffungskosten eine enorme Wirkung entfaltet. Bei korrektem Sitz schützt er seinen Träger zum Beispiel vor Telepathie. Ob er auch vor Corona schützt, ist zwar wie so vieles bei diesem neuartigen Virus nicht abschließend geklärt, aber mal sehen.

Man glaubt ja nicht, wie viel Recherche in 15 Minuten Freizeit passt. Mich zumindest brachte der Alu-Hut auf direktem digitalen Weg zu Menschen, die ich bisher kaum wahrgenommen habe. Das liegt daran, dass ich sie nicht für voll nehme, normalerweise. Nun aber scheinen sie einen solchen Organisationsgrad erreicht zu haben, dass sie eine Standesvertretung gründen könnten: Die Verschwörungstheoretiker. Davon dürfte es inzwischen mehr geben als Gesellschaftstheoretiker, Wirtschaftstheoretiker, Rechtstheoretiker und Quantentheoretiker zusammen.

In den Nachrichten klingt es fast so, als hätten sich die Repräsentanten dieser Forschungsrichtung bereits zu einer Art Verband vereinigt, ähnlich wie bei den Aktivisten, die nach einer kurzen postsozialistischen Pause in der Öffentlichkeit wieder äußerst aktiv sind, jedoch mit den Verschwörungstheoretikern meines Wissens nicht so viel zu tun haben. Es kann sich nur um Wochen handeln, bis es ihn tatsächlich gibt, den Bund Deutscher Verschwörungstheoretiker*innen, kurz: BDV. Natürlich mit einer Arbeitsgemeinschaft Alu-Hut für die verdienten Alu-Hut-Aktivisten des Volkes.

So einen Alu-Hut selbst zu basteln, beansprucht dann allerdings doch etwas mehr Zeit, als eine Mittagspause im Homeoffice hergibt. Zumal sich in mir Zweifel regten und ich im Netz erst einmal einen Selbsttest gemacht habe: „Sind Sie ein Verschwörungstheoretiker?“

Dass Elvis Presley noch lebt, rein verschwörungstheoretisch, hätte ich nicht für möglich gehalten. Dass es Bielefeld nicht gibt, war mir dagegen bekannt. Na ja, jedenfalls bin ich bei diesem Test haarscharf durchgefallen. Kein Verschwörungstheoretiker, aber vielleicht doch wenigstens ein bisschen Aktivist?

Die Aktivität für meine nächste Mittagspause ist schon fest eingeplant: Mund-Nasen-Schutz selbst basteln. Das mache jetzt ich mit den Resten der Alufolie.