Eine meiner Lieblingsfiguren in dem Serienklassiker Star Trek ist Data, der Android, eine künstliche Intelligenz, die keinerlei Emotionen kennt und dennoch in seinen Bemühungen, wie ein Mensch zu werden, menschlicher und anrührender wirkt, als viele andere Figuren der Serie.

Star Trek mit Data ist ein interkulturelles Lehrstück für eine Zukunft des gegenseitigen Respekts. Data symbolisiert darin die optimistische Variante einer Utopie, in der Technologie und Humanität keine Gegensätze darstellen. Vielleicht bewegt mich Data als Charakter, weil er lernen und selbst nachdenken will, um nicht manipulativen Algorithmen oder der vermeintlichen Intelligenz eines Schwarms zu folgen.

Big Data

Wer heute über Big Data spricht, meint in der Regel genau das Gegenteil jener utopischen Fiktion, aus der heraus die Star Trek-Figur ersonnen wurde. Riesige Datenmengen, wie z. B. die eines digitalen Nachrichtenmagazins, lassen sich mit recht simplen Mitteln auslesen. So können wir erfahren, wer wann mit wem an welchen Themen arbeitet und wie politische Zusammenhänge behandelt und interpretiert werden.

Das gleiche lässt sich auch mit den Daten anstellen, die wir von uns preisgeben: in den sozialen Netzwerken, bei Onlineshops oder besuchten Websites. Dies alles erlaubt, Einblick in unsere persönliche Lebenswelt zu nehmen. Daraus kann eine gezielte Ansprache entwickelt werden. Denn was in der Werbung funktioniert, kann auch in der politischen Meinungsbildung genutzt werden. Rechtspopulisten sind darin inzwischen Experten.

Propaganda durch Trolle

Eine große Rolle spielen Trolle, die gezielt – oft in Russland ansässig – Propaganda betreiben. Dazu kommen neuerdings Fake News, also völlig frei erfundene Meldungen, gekaufte Likes und Kommentare zu politischen Themen. Ein anderes Mittel sind Social Bots, automatisierte, von einer Maschine generierte Likes, Antworten oder Diskussionsbeitrage, die darauf abzielen, Stimmungen, insbesondere auch gegen Nicht-Biodeutsche, anzuheizen. Wer in den sozialen Netzwerken unterwegs ist, dem wird aufgefallen sein, wie heftig sich der Hass entlädt, wann immer es um Themen geht, die irgendwie mit Flüchtlingen assoziiert werden können. Es scheint oft so, als wäre diese Aggression auch in der realen Welt mit den Händen zu greifen.

Das Perfide dabei: Es entsteht der Eindruck einer Mehrheit, einer generellen Stimmung gegen die liberale Gesellschaft. Und das wiederum macht Druck auf den Einzelnen oder lässt einen Sog entstehen, nach dem es opportun erscheint, hasserfüllte Verachtung anderer Menschen für normal zu halten.

Vorboten des Wahlkampfes

Wenn all die gekauften, automatisierten oder gezielt eingesetzte Vernetzung des Hasses von den realen Verhältnissen subtrahiert werden: Was bleibt dann eigentlich übrig? Gewiss ist der Rechtspopulismus stärker und der Hass deutlicher geworden. Doch lassen wir uns nicht in die Irre führen über vermeintliche Mehrheiten. Das sind die Vorboten des Wahlkampfes, der dieses Jahr mit den unlauteren Mitteln manipulierter Stimmungsmache geführt werden wird.

Doch dem ist niemand einfach ausgeliefert. Ruhiges Hinterfragen hilft. Und ein wenig Selbstreflexion sowie eine digitale Zivilgesellschaft, in der dem Mob auch widersprochen wird. So wie Data es tun würde, in all seiner bezaubernden Menschlichkeit.