Berlin: Was tun, wenn das Kind mal so richtig Schnee erleben soll? 

Unser Kolumnist suchte nach einer Lösung und muss doch feststellen: Berlin ist trotz Kälte keine Stadt des Winters.

Seltener Anblick aus dem Februar 2021: Schnee am Brandenburger Tor
Seltener Anblick aus dem Februar 2021: Schnee am Brandenburger Torimago/photothek

Berlin ist einfach keine Stadt des Winters. Vielleicht der Kälte, aber auch das haut nicht ganz hin. Derzeit ist es nur leicht unter null. Und um die Weihnachtzeit und in den Wochen danach war der Berliner Winter eher ein März. Erste Knospen zeigten sich und die Eichhörnchen beendeten vorzeitig ihre Winterruhe.

Berlin ist eine Stadt des Sommers, zu Berlin gehört das Rumliegen auf der Wiese oder das gepflegte Elterngespräch am Rande des Spielplatzes, das Grillen im Park oder das Spazieren durch die Straßen mit einer Bierflasche in der Hand. Berlin ist eben keine Stadt des Winters.

Was also tun, wenn der Sohn mit seinen neun Jahren noch nie eine ganze Woche lang Schnee erlebt hat? Bislang gab es genau drei Tage, an denen so viel Schnee in Friedrichshain lag, dass ich ihn morgens mit meinem alten, vom Rodeln ramponierten Schlitten zur Kita ziehen konnte. Das war toll, ist jetzt aber auch schon sieben Jahre her. Dann lag vor zwei Jahren zumindest in der Lichtenberger Parkaue so viel Schnee, dass wir zwei Nachmittage lang rodeln konnten.

Aber einfach mal so vor die Tür gehen, eine wilde Schneeballschlacht machen oder gar einen Schneemann mit drei großen Kugeln bauen, das geht nicht. Dafür wäre so viel Schnee nötig, wie in diesem Jahr in ganz Berlin noch nicht gefallen ist.

Die nächste Generation

Also kamen wir auf die Idee, zum ersten Mal einen echten Winterurlaub zu machen. Was tut man nicht alles, um der nächsten Generation zu zeigen, dass hierzulande früher vier höchst unterschiedliche Jahreszeiten üblich waren. Ich kann mich noch an meine letzte Skiausfahrt erinnern, mit den 70 Jahre alten Skischuhen meines Vaters und seinen ebenso alten Langlaufbrettern. Das ist auch schon 20 Jahre her.

Für einen Kurztrip in den Schnee sind die Alpen zu weit weg, also liegt Tschechien nahe. Dort gibt es eine der fünf Skiflugschanzen der Welt. Die ist zwar inzwischen dicht, aber nicht aus Schneemangel, sondern aus finanziellen Gründen. Schnee liegt dort immer.

Sorry – lag dort immer. Seit Wochen zeigen die Kameras im Internet dort nur graue Landschaften. Am Mittwochmorgen lag dann ein Hauch von Weiß auf den Wiesen. Und vielleicht bleibt es sogar kalt genug, dass etwas liegen bleibt.

Vielleicht hätten wir lieber auf den Sohn hören sollen, denn der sagt bei Winter nur Finnland.

Aber Tschechien geht auch ohne Schnee, das Bier ist genauso legendär wie die Böhmischen Knedliky. Und Wandern ist sowieso besser als Skifahren. Bei einer Skiabfahrt ist die Verletzungsgefahr drei Mal höher als beim gemütlichen Wandern. Aber was wird aus der extra gekauften teuren Thermohose, die bis minus 20 Grad warm hält?