1500 Strom-Roller bot die Bosch-Tochter Coup in Berlin zum Verleih an. Ende vergangenen Jahres schloss Bosch das Geschäft dann überraschend.
Foto: Coup

Berlin-MitteDie grün-schwarzen Elektroroller gehörten bereits zum Stadtbild. 1500 einsitzige Strom-Scooter hatte die Bosch-Tochter Coup in Berlin im Einsatz. Ende November gab das Unternehmen dann völlig überraschend bekannt, sich aus dem Geschäft zurückzuziehen.

Was mit den Rollern geschieht, war lange Zeit unklar. Nun scheint sich die Konkurrenz für die elektrisierte Zweirad-Flotte zu interessieren. Wie das Wirtschaftsmagazin Capital berichtet, soll das Berliner Unternehmen Tier Mobility eine Übernahme erwägen.

Farblich würden die Einsitzer mit E-Motor schon mal perfekt zu den ebenfalls grün-schwarzen Stehrollern passen, auf deren Verleih sich das Geschäft von Tier derzeit noch beschränkt.  Bundesweit hat das 2018 gegründete Start-up etwa 15.000 E-Scooter in 33 Städten im Angebot und ist damit nach eigenen Angaben Marktführer. Für den Frühling und Sommer ist bereits der Ausbau der Flotte angekündigt. Werden dann tatsächlich auch die ehemaligen Coup-Roller dabei sein?

„Für jeden Bedarfsfall das richtige Fahrzeug“

In der Firmenzentrale am Potsdamer Platz wollte man sich dazu am Donnerstag nicht näher äußern. „Kein Kommentar“, hieß es. Allerdings bestätigte man nochmals, dass man neben den Stehrollern auch andere Fahrzeugtypen auf die Straße bringen will, um den Kunden „für jeden Bedarfsfall das richtige Fahrzeug anbieten zu können“. Insofern wäre eine Integration der Coup-Roller ins Tier-Portfolio sinnvoll. Zumal die Flottenerweiterung bei Tier noch in diesem Jahr beginnen soll.

Tier dürfte es auf die ehemaligen Stammkunden von Coup abgesehen haben, könnte seinen Kunden aber auch eine echte Alternative für längere Distanzen anbieten.

Verkehrsanalyst Benno Bock

Außerdem ist Coup dort keineswegs unbekannt. Julian Blessin, Co-Chef und Mitgründer von Tier, hatte Coup im Sommer 2016 mit aufgebaut. Er gehörte zum sogenannten Digital Ventures-Team der Unternehmensberatung Boston Consulting Group, das vor allem Großkonzerne mit neuen Geschäftsideen versorgt. So entstand der Stromroller-Verleih für den Automobilzulieferer Bosch.

Die Roller lieferte der taiwaner Hersteller Gogoro samt spezieller Ladeinfrastruktur für die Wechselakkus, die schließlich einen freien Verkauf der Roller an Privatkunden verhinderte. Coup hatte die Akkus zuletzt zentral in einem Kellergeschoss in Kreuzberg aufgeladen. An knapp 30 Stationen konnten 220 Akkus gleichzeitig regeneriert werden. In jedem Fall ließen sich die Sitzroller gut in die IT-Infrastruktur von Tier einbetten.

Es gibt auch andere Interessenten

Verkehrsanalyst Benno Bock vom Berliner Strategieentwickler Civity sieht in einer möglichen Übernahme in erster Linie Vorteile für die Kundengewinnung. „Das Unternehmen dürfte es auf die ehemaligen Stammkunden von Coup abgesehen haben. Zudem könnte Tier seinen Kunden eine echte Alternative für längere Distanzen anbieten“, sagt er. Verkehrsträgerübergreifende Lösungen ergeben aus Kundensicht immer Sinn.

Genau aus diesem Grund könnten allerdings auch andere interessiert sein. Der Stehroller-Verleiher Circ beispielsweise plant eigenen Angaben zufolge gleichfalls eine Erweiterung seiner Flotte mit Alternativen zum Stehroller. Das nötige Kapital solle schon bald fließen.

Im Newsportal Gründerszene kündigte Circ-Chef Lukasz Gadowski jedenfalls den Abschluss einer Finanzierungsrunde noch für diesen Monat an. Und auch bei Circ wüsste man, um die Stärken und Schwächen der Coup-Roller. Denn erst zu Monatsbeginn rekrutierte Circ den ehemaligen Chef für das operative Geschäft bei Coup.

In Berlin dominiert Emmy

Auf dem Berliner Markt ist derweil das Unternehmen Emmy alleiniger Player. Rund 800 rote Elektro-Schwalben hat die Firma in Berlin auf den Straßen. Außerdem verleiht Emmy noch insgesamt 1200 Roller in Hamburg, München, Düsseldorf und Wien. Wegen der weiterhin hohen Nachfrage soll die Roller-Flotte bis zum Sommer verdoppelt werden. Im nächsten Jahr will man dann auch die Gewinnschwelle passieren.