Das Brandenburger Tor in Berlin (Symbolbild)
Foto: imago/Dirk Sattler

Berlin"Berlin 2030 - so sieht die Zukunft aus". Diesen, nun ja,  selbstbewussten Satz hat Finanzsenator Matthias Kollatz (SPD) seinem achtseitigen Papier vorangestellt. Ein Macher, der sagt, wo es langgeht. So möchte er wohl gesehen werden. Und er liefert, Zahlen sind sein Geschäft, eine ganze Reihe von konkreten Daten, wie dieses Berlin der Zukunft wohl aussehen wird.

Prinzip Hoffnung

Danach hat Berlin in zehn Jahren mehr als vier Millionen Einwohner und wächst jedes Jahr um weitere 35.000. Laut Kollatz werden dann aber jedes Jahr 20.000 Wohnungen fertiggestellt, um die Neuberliner auch unterzubringen, der Großteil von privaten Anbietern. Betrachtet man die Bilanz des Wohnungsneubaus der rot-rot-grünen Koalition, der pro Jahr bisher immer deutlich unter 10.000 blieb, kann man dies durchaus als Prinzip Hoffnung verstehen. 

Das ist aber schon das größte Ausmaß an Träumerei, dass sich der Finanzsenator in seinem Zukunftsgemälde erlaubt. Das Berlin von 2030 soll "zuvorderst"eine Stadt der "Normalos" sein, in der sich jeder eine "wenn auch bescheidene" Wohnung leisten kann. Das klingt sympathisch, für viele sicher auch beruhigend. Aber aufregend ist nichts davon.

Finanzsenator Matthias Kollatz (SPD).
Foto: imago/Reiner Zensen

Kein Wort für die Kultur

Und es wird auch nicht besser. In Spiegelstrichen handelt Kollatz ab, was er für die Entwicklung der Hauptstadt für wichtig erachtet. Der Gesundheitssektor als treibende wirtschaftliche Kraft, Hochschulen und Wissenschaft als Anziehungspunkte, ein bisschen zu Rekommunalisierung und öffentlichem Nahverkehr. Alles richtig, alles wichtig. Aber bemerkenswert wird das Zukunftspapier vor allem durch das, was es alles weglässt.

Kein Wort über die Kultur. Kein Wort über die Anziehungskraft Berlins für Andersdenkende, für Visionäre. Kein Wort über soziale Bewegungen, kein Wort über den Klimawandel und wie wichtig ein ökologischer Stadtumbau in diesen Zeiten ist. 

Dafür gibt es einen langen Absatz darüber, wie sich gerade die Finanzverwaltung " relativ unbeachtet"bis 2030 eine Spitzenposition in Deutschland erarbeiten wird. Und dass zwei Drittel der Wege zum Bürgeramt überflüssig geworden sind, dem Internet sei Dank. 

Was Kollatz schreibt, ist vermutlich nicht falsch. Aber es lässt das nagende Gefühl zurück, dass im Berlin des Jahres 2030 mehr möglich sein muss als eine bescheidene Genossen-Idylle.