Sonntags zwischen 6 und 11 Uhr morgens fährt auf der Sudirman-Straße kein Auto, da joggen die Menschen, spazieren mit Kinderwagen und machen Selfies. Die Sudirman-Straße ist vierspurig und führt durch Jakartas Zentrum, eine 25-Millionen-Einwohner-Metropole, die jeden Tag unter einem Verkehrskollaps leidet, außer eben am Sonntag zwischen 6 und 11 Uhr. Seit zehn Jahren wird in der indonesischen Hauptstadt der Verkehr für fünf Stunden von den großen Straßen verbannt. Doch viel wichtiger ist: Was ändert sich in den übrigen 163 Stunden einer Woche?

Diese Frage stellt sich im Grunde weltweit und in dieser Woche auch in Berlin. Zum dritten Mal in Folge nimmt Berlin am autofreien Tag teil und das Ergebnis muss mehr als ernüchtern: Wer morgens die U-Bahn genommen hat, wird keinen Unterschied bemerkt haben. Dabei war ihre Nutzung kostenlos am Donnerstag. Auch der Stau morgens auf der Mühlendamm und abends am Innsbrucker Platz war jeweils genauso lang wie an jedem anderen Tag in dieser Woche. 

Was hilft es da, dass auf einigen Straßen in der Innenstadt ein paar Wimpelchen aufgestellt sind und Kinder eine Sonne mit Regenbogen auf den Asphalt malen? Genau: nichts. Es passiert einfach zu wenig, wenn es auf Freiwilligkeit beruht. So bleibt es nur eine gut gemeinte Geste an die Generation, die nur einen Tag später wieder in einem großen Demonstrationszug durch die Innenstadt ziehen wird. Jede Demonstration von Fridays for Future hat mehr bewirkt als dieser eine Tag für das gute Gewissen. 

Mobilitätsexperte Andreas Knie hat schon am Mittwoch vorausgesagt, dass autofreie Zonen eines der Mittel sind, um uns Stadtbewohner auf eine Zukunft ohne Pkw vorzubereiten. Dabei helfen solche ärgerlichen Symbol-Tage nichts, sie radikalisieren die frustrierten Umweltschützer eher noch mehr. Was wir brauchen, sind Überlegungen, wie bestimmte Teile der Stadt das ganze Jahr über autofrei gehalten werden können, in Berlin und Jakarta. Dort wurde übrigens vor drei Jahren die erste U-Bahn-Linie eingeführt. Es geht voran.