Berlin - Auch wenn es manchmal anders aussieht: Bisher hat das Impfen in Berlin, anders als in anderen Bundesländern, ganz ordentlich funktioniert. So gut wie alle Bewohner von Alten- und Pflegeheimen, die eine Impfung wollten, haben diese erhalten. Auch die Gruppe der Über-80-Jährigen gilt als weitgehend abgearbeitet. Längst ist Phase 2 erreicht. Doch genau da gab es jetzt eine schwere Panne: Bereits vor anderthalb Wochen wurde angekündigt, dass das Personal von Kitas und Förderschulen „in Kürze“ zum Impfen eingeladen werde. Doch erst an diesem Freitag kam die Meldung der Senatsbildungsverwaltung, dass nun tatsächlich die ersten Einladungen an die 63 Förderzentren in öffentlicher und freier Trägerschaft versandt wurden. Damit könnten sich 6000 Lehrkräfte, Erzieher sowie weitere Beschäftigte bald gegen Corona impfen lassen.

Ein weiterer Erfolg der Berliner Impfkampagne? Nein, diesmal nicht. Die Panne besteht nicht nur darin, dass rekordverdächtig viel Zeit von der Ankündigung bis zum Verschicken der Impfeinladungen – wohlgemerkt nicht etwa von konkreten Terminen – vergangen ist. Viel schlimmer ist, dass der Senat die ungleich größere Gruppe der Kita-Erzieher in die nächste Woche geschoben hat. Vor dem Hintergrund, dass die Kitas am Dienstag vom Corona-Notbetrieb in annähernd Volllast gehen sollen, ist das ein Desaster – was erste Reaktionen darauf beweisen.

Für Lehrer gibt es nicht einmal eine Perspektive für eine Impf-Einladung

Sicher, es ist Polemik, wenn eine Funktionärin der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi schreibt, dass der Senat „damit Gesundheit und Unversehrtheit“ der gut 30.000 Berliner Erzieherinnen und Erzieher aufs Spiel setze und riskiere, dass die Kitas die Corona-Hotspots von morgen werden. Auch die Gewerkschafterin wird wissen, dass das Infektionsgeschehen in Kitas eher gering ist.

Aber sie hat doch recht. Denn es bleibt übrig, dass es dem Senat nicht gelungen ist, den Kita-Neustart mit einem Impf-Start zu verknüpfen. Übrigens: Für die Abertausenden Lehrer an allgemeinbildenden Schulen gibt es nicht einmal eine Perspektive, ab wann sie zum Impfen eingeladen werden könnten. Dabei soll ab Dienstag auch in den Schulen wieder deutlich mehr Betrieb sein.