Diesen Bericht, der am Dienstag in der Charité vorgestellt wurde, brauchen wir nicht. Und das hat gleich mehrere Gründe. Eigentlich, so steht es jedenfalls im Vorwort dieses Textes, sollte der Fall mutmaßlichen sexuellen Missbrauchs Anlass sein, die Kommunikationsstrukturen an der Charité zu überprüfen. Denn die waren, wie der Fall gezeigt hat, verbesserungsbedürftig. Über solche Schwachstellen erfahren wir allerdings in diesem Bericht nichts.

Wir erfahren auch nichts Neues über den Fall. In der ersten Hälfte des nur 32 Seiten starken Papiers beschäftigen sich die Experten damit, die bekannten Umstände des Falls noch einmal zu erzählen. Sie erklären, was sexueller Missbrauch ist und was die Charité für eine Einrichtung ist. In der zweiten Hälfte geben sie dann, vollkommen losgelöst vom Fall, Empfehlungen für Schulungen, Leitbilder und Computersoftware.

Und ihr Fazit schließlich bleibt weit hinter dem zurück, was beim Runden Tisch sexueller Kindesmissbrauch auf Einladung der Bundesregierung erarbeitet worden ist. In dessen Leitlinien heißt es zum Beispiel, dass Strafverfolgungsbehörden möglichst sofort eingeschaltet werden sollen – ohne Rücksicht auf Eigeninteressen der Institution.

Dieser Bericht hinterlässt einen faden Geschmack. Er verfolgt offenbar vor allem das Ziel, die Charité von dem Vorwurf, sich falsch verhalten zu haben, zu entlasten.