Berlin - Ich gehe wirklich gerne jeden Morgen zu Fuß zur Arbeit, doch ab der Ecke Friedrichstraße/Unter den Linden ist es eigentlich so etwas wie eine zwei Kilometer lange Baustellenbegehung. Meist sieht man eigentlich nur Kräne, Bauarbeiter, Bagger und Gruben, wenn man nicht ohnehin gerade durch einen Holztunnel laufen muss, um seinen Gang nicht mit Umwegen unnötig zu verlängern.

Protzig und öde

Ab dem Dom wird es ein wenig besser, doch das richtige Ärgernis, die größte Qual für das Auge, kommt dann bei der Humboldt-Box, und damit meine ich nicht dieselbe, sondern das Stadtschloss. Gibt es eigentlich schon den offiziellen Hashtag #nichtmeinschloss? Ich weiß, dass es darüber schon endlose Diskussionen gab, aber jedes Mal ärgere ich mich schwarz über diese monströse Scheußlichkeit.

Von der einen Seite sieht sie unproportional aus, die Kuppel thront darauf, als wäre sie für ein wesentlich größeres Gebäude gedacht und die andere Seite, also, die dem Osten zugewandte, wirkt, als ob ein paar Kinder dicke Klötze zusammengeleimt hätten. Das Ganze ist monumental abweisend, protzig und gleichzeitig komplett öde. Und wenn es fertig ist, wird es altbacken und unmodern aussehen.

Es gab noch den ebenfalls vieldiskutierten Entwurf des Architekten Stephan Braunfels, der vorsah, die Ostseite in Form eines Hofes zur Spree hin zu öffnen, das fand ich charmant, den restlichen Entwurf jedoch ebenfalls zu rückwärtsgewandt. Und dass ist es eigentlich, worüber ich mich jeden Tag am meisten ärgere: Die komplette Idee eines Schlosses ist verzopft. Andere Städte bauen Zukunft, Berlin baut Prachtbauten vergangener Jahrhunderte nach und dann fallen diese auch noch komplett mutlos und langweilig aus. Natürlich weiß ich, dass ein Gebäude wie der Palast der Republik geschichtlich belastet ist und für viele Menschen nur mit gemischten Gefühlen betrachtet werden konnte, aber noch heute fehlt mir das Gebäude. Dieser Prachtbau gehörte zu Berlin, mutig wäre es gewesen, ihn zu behalten.