Vergangene Woche habe ich hier den Vorschlag gemacht, eine Pflicht-Elternzeit von zwei Monaten für Väter einzuführen, um für mehr Gerechtigkeit zwischen den Geschlechtern zu sorgen. Nach der Geburt eines Kindes sind es meist die Frauen, die beruflich zurückstecken, oft unfreiwillig. Nur eine Minderheit der Väter nimmt eine längere Auszeit, die meisten arbeiten weiter.

Offenbar sind die Fakten über Elternzeit wenig bekannt

Die Idee der Pflicht-Elternzeit wurde breit diskutiert, vor allem in den sozialen Netzwerken, es gab viel Unterstützung, von Männern und Frauen, gute Hinweise, aber einige Leser waren empört. Bei manchen Männern schien die Vorstellung, als Väter womöglich acht Wochen zu Hause mit ihrem Baby verbringen zu müssen, große Panik hervorzurufen. „Bevormundung“, „Einschränkung der individuellen Lebensplanung“, „Entmündigung“, „verfassungswidrig“, „Verbotsideologie“ waren die Worte, die sofort fielen. Der Berliner FDP-Abgeordnete Stefan Förster schrieb: „Und was kommt danach? Die Pflicht für Großeltern? Mit Zwang erreicht man immer das Gegenteil.“

Einige Reaktionen zeigten auch, wie wenig Fakten offenbar über die Elternzeit und das Elterngeld bekannt sind. Einem Berliner Linken-Abgeordneter war nicht klar, dass auch Selbstständigen Elternzeit zusteht. Andere wussten nicht, dass Männer durchaus mehr als die zwei sogenannten „Vätermonate“ in Anspruch nehmen dürfen. Beide Elternteile können sich die Elternzeit fifty-fifty teilen und jeweils sieben Monate aussteigen. Macht nur kaum einer. Meistens steigen die Mütter ein Jahr aus, arbeiten danach mit geringen Stunden in Teilzeit weiter. Laut OECD sind in Deutschland Frauen mit Kindern deutlich seltener berufstätig als anderswo.

Ohne gesetzliche Regelungen wird sich nichts ändern

Es scheint, als sei die Benachteiligung von Frauen so normal, so allgegenwärtig, dass sie gar nicht mehr groß auffällt. Frauen müssen in allen Lebensphasen mehr kämpfen. Wenn sie kein Kind haben, wird ihnen unterstellt, dass sie bald eins haben könnten und dann nutzlos werden. Wenn sie Mütter werden, wird ihnen nicht zugetraut, dass sie Verantwortung und interessante Projekte übernehmen wollen. Selbst Männer in Führungspositionen, die Kinder haben und berufstätige Partnerinnen, reflektieren offenbar die Vereinbarkeit von Familie und Beruf nicht.

Eine Studie der Frankfurt University of Applied Sciences fand kürzlich heraus, dass die klassische Führungskraft (männlich, 40 bis 49 Jahre, zwei Kinder) davon überzeugt ist, dass die Mütter in ihrem Betrieb kein Interesse an Karriere haben. Und das, obwohl die Chefs ihre Leistungen sehr positiv bewerteten. Man braucht schon ein großes Desinteresse an diesen Fragen, um nicht zu erkennen, dass sich ohne gesetzliche Regelungen nie etwas ändern wird, nicht die ungleiche Bezahlung, nicht die ungleichen Chancen zwischen Männern und Frauen.

Mutterschutz für Väter

Viele Männer sehen auch, dass sich was ändern muss, vielleicht schreien deshalb die Ängstlicheren unter ihnen so laut dagegen. Klar, eine stärkere Einbindung der Väter im ersten Lebensjahr würde nicht alles lösen, aber es wäre ein Anfang. Die neue Familienministerin Katarina Barley von der SPD hat kürzlich die Idee aufgebracht, etwas wie den Mutterschutz für Väter anzubieten. Einen gesetzlich garantierten, achtwöchigen Vaterschaftsurlaub. Das klingt besser als Pflicht-Elternzeit.