Es passiert fast bei jedem Konzert. Manchmal während eines ruhigen Songintros, bevor das Lied in den Hauptteil übergeht, ganz sicher aber bei den großen Hits. Irgendeine chemische Reaktion bricht sich dann im Organismus der meisten Besucherinnen und Besucher Bahn und schießt ohne Umwege in ihre Hände, die sich augenblicklich in Bewegung setzen. Es handelt sich nicht um eine rhythmische Tanzbewegung, bei der die Hände lässig geschüttelt werden, die Rede ist vom: Klatschen.

Rhythmusgefühl ist die Grundvoraussetzung beim Klatschen - leider fehlt dies vielen

Dieses Phänomen ist unerbittlich, es unterscheidet keine Musikstile, sondern tritt ebenbürtig bei Rock-, Pop- und sogar Rapkonzerten auf und bringt die Frage aufs Tapet, welcher Selbstgerechtigkeit es eigentlich bedarf, stets spöttisch auf Volksmusik zu reagieren. Würde in jenen Momenten der Ton aus- und stattdessen Schunkelmusik aus Karl Moiks Musikantenstadl eingeblendet werden – das Klatschvolk müsste sein Bewegungsmuster nicht einmal ändern. Mitklatschen ist Volksmusik.

Das mangelhafte Gespür dafür, die Hände in zeitlich gleichen Abfolgen aufeinander zu schlagen, macht die Sache nicht besser. Rhythmusgefühl ist die Grundvoraussetzung zum Klatschen. Weil sich darum aber niemand schert, landet das Klatschen schnell neben dem auf der Bühne gespielten Beat. Es wabert dann verschleppt durch die Halle. Unvorstellbar, dass das irgendeinem Musiker aufrichtig gefällt.

Besonders in leisen Momenten zerstört Klatschen die Atmosphäre

Deshalb keimt bei jedem arrhythmischen Klatschgeräusch die Hoffnung, die Sängerin, der Rapper, notfalls die Kabelträger könnten den Song abbrechen und einfordern, das Klatschen zu unterlassen, weil andernfalls das vorzeitige, nämlich sofortige Konzertende drohe. Macht aber niemand. Im Gegenteil, manche Musiker ermutigen im Sinne der Fanbindung sogar zum Klatschen, um einen Takt zu halten. Wie beschrieben, geht das schnell schief. Klar, ein Konzert ist kein Ponyhof, deshalb muss Neben-dem-Takt-klatschen nicht gleich zum ausgelassenen Stilmittel erhoben werden.

Speziell in leisen Momenten, die zu besonderen werden und somit noch Jahre später in Erinnerung bleiben könnten, zerstört Klatschen zielsicher jede Intimität. Das zieht eine Parallele zur Klassik, wo es untersagt ist, zwischen den Sätzen zu klatschen. Das könnte in leichter Abwandlung auch in anderen Sparten gelten: Nicht während der Lieder!