Was ist aus dem Sommerloch geworden? Früher hatte Deutschland in diesen Wochen Urlaub von schlechten Nachrichten. Dieses Jahr ist es anders. Auf den Klimawandel ist Verlass -atmosphärisch wie politisch: Statt satter Hochdruckgebiete ziehen hitzige Debatten übers Land. Terror und Flüchtlinge, diese zwei Worte sind gerade dabei, zum Synonym zu werden.

Eines jedoch ist erstaunlich: die schreckliche Tat von München, der Terrorangriff auf junge Leute, ist aus der großen Aufregung, die die anderen Anschläge von Würzburg und Ansbach ausgelöst hatten, verschwunden. Nachdem München für Stunden zur belagerten Stadt geworden war und kalkulierende Hysteriker schon das Ende des Rechtsstaates forderten, weil ein islamistischer Anschlag vermutet wurde, wurde es sehr schnell ruhig, als sich herausstellte, dass der Täter kein Islamist war. Damit eignete sich diese Tat nicht mehr für den Terrorkomplex. Und das, obwohl der Mörder einen sogenannten Migrationshintergrund hatte. Die allgemeine Schlussfolgerung: entsetzlich, furchtbar, aber psychisch bedingter Amoklauf, eine Art Naturereignis, gegen das es nur bedingt Schutz gibt. Die Schlussfolgerung: Das Darknet ist schuld, da hatte der Kerl die Waffen her.

"Terror und psychische Krankheit schließen einander nicht aus"

Dieses Unglück und die Reaktionen darauf sind auf vielen Ebenen bemerkenswert. Es zeigt, was geschieht, wenn ein Ereignis nicht in die aktuelle gesellschaftliche Gefühlsnorm passt. Terror und psychische Krankheit schließen einander ja nicht aus. Wäre der Mörder Islamist, hätte die psychische Komponente seiner Tat vermutlich niemanden sehr interessiert. Dass dies zunächst angenommen wurde, hatte auch damit zu tun, dass er einen iranischen Background hat. Wenn eine Politikerin doch auf den Gemütszustand des Täters verwiesen hätte, wäre ihr ein endloser Shitstorm als Terroristenversteherin, die nicht begreift, welche Gefahr vom Islam bzw. den „Migranten“ ausgeht, gewiss gewesen.

Nun ist der Täter kein Islamist, aber in den noch immer rassistischen Kategorien des hiesigen Zugehörigkeitsempfindens am Ende kein Deutscher. Und wer kein „richtiger“ Deutscher ist und auch kein Dschihadist, hat einfach gar kein Tatmotiv. Dass so jemand unmöglich ein Rechtsextremist sein kann, weil er selbst „ausländische Wurzeln“ hat, ist auch eine ziemlich dumme und rassistische Behauptung. Nun hat sich aber genau das herausgestellt.

Attentäter war rechtsextrem und hatte Migrationshintergrund

Der Täter war ein Fan von Breivik, der vor 5 Jahren 77 Menschen umbrachte und stolz auf seinen Rassismus war. Der Täter hat Einwanderer getötet und sein Zimmer war voll von rechtsextremem Propagandamaterial und Waffen. Er hat sich seines Hasses auf Türken und Araber gebrüstet und selbst dem arischen Herrenmenschentum zugerechnet. Mit anderen Worten: Der Mörder von München war doch ein Terrorist und zwar genau so, wie er es im Falle eines islamistischen Motivs gewesen wäre! Das Schweigen der Politik über diese Tatsache ist beunruhigend und gefährlich.

Wir müssen uns ohne Wenn und Aber mit islamistischem Terror auseinandersetzen. Hinzuzufügen bleibt jedoch, dass wir eben auch ein Problem mit Rechtsterrorismus haben. Er hat gerade neun Menschen das Leben gekostet. Das nicht wahrzunehmen, deutet auf den blinden Fleck der Gesellschaft und dass es sehr wohl ein dickes Sommerloch gibt – das der Ignoranz.