Kommentar: Demokraten müssen sich mit Linksradikalen auseinandersetzen

Welche konkrete Gefahr vom Rechtsextremismus ausgeht, ist offensichtlich: 179 Menschen wurden seit 1990 von rechten Gewalttätern getötet, so das Ergebnis der Recherchen der Amadeu-Antonio-Stiftung. Die Zahl der Fälle, die auch die Sicherheitsbehörden als politisch motiviert einstufen, ist geringer, aber immer noch erschreckend hoch: 75. Wobei es nach den NSU-Morden übrigens keinen Grund gibt, den Sicherheitsbehörden in dieser Frage mehr Vertrauen entgegen zu bringen als der Amadeu-Antonio-Stiftung. Man muss auch keine langen Debatten darüber führen, welche konkreten Gefahren vom radikalen Islamismus ausgehen. Der Anschlag vom Breitscheidplatz hat es gezeigt, die Axtattacke von Würzburg und zuletzt der Messerangriff in Hamburg.

Und Linksradikale? Wie die aktuelle Forsa-Umfrage zeigt, hat die Mehrheit der Berliner keine Angst vor ihnen, nur eine Minderheit hält sie für gefährlich. Dazu dürfte maßgeblich beigetragen haben, dass sich linke Gewalt viel zu häufig gegen Polizisten und gegen Sachen wendet, nur in sehr seltenen Fällen aber gegen Zivilisten. Und es dürfte auch das Ergebnis eines Jahrzehnte langen Lernprozesses sein: Berlin war erfolglos im Kampf gegen linke Gewalt, so lange der Staat versucht hat, unnachgiebig zu sein.

Radikale Linke wählen inakzeptable Methoden

Trotzdem müssen sich Demokraten mit ihnen auseinandersetzen, und zwar gerade die aus den linken Parteien. Denn radikale Linke vergiften nicht nur das Klima in vielen Kiezen, wo sie ausgewählte Nachbarn als Gentrifizierer brandmarken. Auch in der Auseinandersetzung mit der AfD wählen sie Methoden, die nicht akzeptabel sind. Da versammeln sich Mobs, um Vertreter aus der dritten Reihe zu desavouieren. Büros und vermeintliche Treffpunkte werden verwüstet. Die Linken bedienen sich der gleichen Methoden wie die Rechten. Erfolgreich darf keine der beiden Seiten sein.