Berlin - Das war’s, die Fashion Week ist vorbei und wird in dieser Form in Zukunft nicht mehr stattfinden, Sponsor Mercedes-Benz lässt den Vertrag mit dem Ausrichter IMG auslaufen. Doch richtig warm geworden sind die Berliner mit der der Modewoche ohnehin nie. Oft abschätzig waren die Reaktionen, wenn es um die beiden Wochen im Jahr ging, an denen neuralgische Orte der Stadt wie der Bebelplatz und die Straße des 17. Juni der Mode gehörten.

Der Bebelplatz war aus historischen Gründen sicherlich eine ungeschickte Wahl. Die Straße des 17. Juni hingegen wird in schöner Regelmäßigkeit gesperrt für Großveranstaltungen aller Art, an innerstädtischer Logistik allein kann es also nicht gelegen haben, dass der Modewoche, gesponsert vom schwäbischen Limousinenkonzern und ihren zugehörigen Veranstaltungen mitunter gar feindselig begegnet wurde.

Fashion Week war nicht für Öffentlichkeit zugänglich

Ein Grund für diese Ablehnung ist sicherlich, dass die als „Modezirkus“ bespöttelte Fachmesse der Öffentlichkeit nicht zugänglich war, wohl aber mit dem für die Branche üblichen Glamourfaktor stadtweit um Aufmerksamkeit buhlte. Wer so deutlich ausgeschlossen wird von der Feier, der tritt zwangsläufig in Opposition.

Zum anderen sei Berlin nicht Paris, so ein gängiger Vorwurf, was bedeuten soll, dass man hier im nüchternen Preußen einfach keinen Sinn und schon gar kein Interesse habe an modischem Tand. So weit hergeholt ist dies bei näherer Betrachtung nicht. Mode hat hier kulturgeschichtlich nicht annähernd dieselbe Bedeutung wie in Frankreich. Sieht man einmal von höfischer Bekleidung und den Uniformen des Militärs ab, so hatte Berlin in der Vergangenheit nur eine kurze Liebelei mit dem Textilhandel, der bis zum Zweiten Weltkrieg am Hausvogteiplatz angesiedelt war.

Der Berliner war mit der Modewoche nie im Reinen

Dass „der Berliner“, sofern es ihn denn in seiner Urform überhaupt gibt, mit der Modewoche nie im Reinen war, zeigt noch etwas ganz anderes: Berlin hat in seinem Transformationsprozess von der geteilten und in seine beiden Hälften mitunter recht kleinstädtisch anmutenden Gemeinschaft hin zu einer Stadt, die den europäischen Vergleich nicht scheuen muss, noch ein gutes Stück des Weges vor sich.

Natürlich bemisst sich dies nicht nur an der Mode, doch sie ist oft ein Indikator dafür, ob eine Metropole tolerant ist, ob ihre Gemeinschaft es aushalten kann, wenn einmal etwas stattfindet, was nicht vom allgemeinen Verständnis getragen wird. Hier die oft als oberflächlich gescholtene Beschäftigung mit der Mode, der der Deutsche – das ist kein Klischee – häufig mäßig interessiert gegenübersteht. Die aufgeregten, manchmal etwas albernen Codes der Modewelt blieben dem Berliner immer fremd.

Die Fashion Week ist auch Zugpferd für andere Messen

In anderen europäischen Städten, mit denen die deutsche Hauptstadt so gerne vom Bedeutungsverständnis her gleichziehen möchte, an deren Lässigkeit sie sich gerne abarbeitet, sind Veranstaltungen wie die Fashion Week gerne gesehen. Ist dies nicht der Fall, werden sie eben kommentarlos übergangen. Dies hat zum einen damit zu tun, dass London, Mailand und Paris mit der Mode groß geworden sind und zum anderen mit einer Art laissez faire gegenüber Veranstaltungen, Bräuchen und Sitten aller Art. Und gerade diese Art der Toleranz macht jene Städte zu Orten und Sehnsuchtszielen von Menschen in der ganzen Welt. Berlin zeigt mit der jahrelangen Ablehnung der Modewoche seitens großer Teile der Bevölkerung zudem, dass man sich offenbar nicht darüber im Klaren ist, dass die Fashion Week auch das Zugpferd für die zeitgleich stattfindenden Messen wie Seek und Panorama ist. Messen, die ebenfalls viel Geld einbringen.

Und dabei wird doch in Berlin sonst recht viel toleriert, gerade mit dem Verweis auf klingende Kassen. Vom Bier-Bike über den Easy-Jetset und den damit einhergehenden Problemen. Bei der Mode allerdings reichte der Verweis auf die Millionen, die im Zuge der beiden Wochen pro Jahr in die Stadtkasse gespült wurden, nicht. Irgendwie schienen immer alle froh, wenn die Fashion Week vorüber war und der Bürger nicht mehr eine Woche lang mit Augenrollen und ätzenden Kommentaren verbringen musste.

Dass die Fashion Week nun in dieser Form Berlin verlässt, liegt sicherlich nicht daran. Es mag aber bei all jenen, die hierherkamen um daran teilzuhaben, um einzukaufen oder ihre Mode zu zeigen, dazu beigetragen haben. Mehr Offenheit und weniger mitunter bornierte Provinzialität hätten in dieser Angelegenheit gut getan. Und der Stadt dazu verholfen, das zu werden, was sie doch so gerne sein möchte – eine Metropole von Weltruf.