Ist es ein politisches Datum für die Fertigstellung des BER, das Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup am Donnerstag genannt hat? Nein, überhaupt nicht, beteuerte man am Donnerstag in Berliner Koalitionskreisen und aus dem Umfeld der Flughafengesellschaft. Eher sei es so gewesen, dass die Verhandlungen über den Terminplan nun einmal abgeschlossen seien, und dass Lütke Daldrup das selbst verkünden wollte. Das mag stimmen. Denkbar ist aber auch, dass es anders war – immerhin streitet die Flughafengesellschaft mit den Baufirmen am BER über hohe Millionenbeträge. Die Vermutung ist nicht abwegig, dass Konzessionen des Bauherrn die Verhandlungen beschleunigt haben.

Aber was ist der Wert eines Fertigstellungstermins zu diesem Zeitpunkt? Für das Bauprojekt ist es nach mehr als fünf Jahren Verzögerung ein wichtiger Zwischenschritt. Geschäftsführer Lütke Daldrup hat erstmals Verbindlichkeit unter allen am Bau beteiligten Unternehmen hergestellt. Er hat die Firmen an diesem Prozess beteiligt, hat sie beim Wort und damit in die Pflicht genommen. Weitere Katastrophen sind damit nicht ausgeschlossen. Aber zumindest ist die Blockade aufgelöst, in die sich alle Beteiligten manövriert hatten.

Die Flughafengesellschaft warf den großen Baufirmen vor, nicht hart genug zu arbeiten. Die warfen ihrem Auftraggeber Gleiches vor – ihnen fehlten Pläne –, zudem beschuldigten sie einander gegenseitig der Behinderung an der Baustelle. Es ist eine beachtliche diplomatische Leistung von Engelbert Lütke Daldrup – von dem es heißt, dass er nicht immer diplomatisch auftritt –, dass er dieses Knäuel in relativ kurzer Zeit gelöst hat.

Skepsis hoffnungslos verfestigt

Die politische Diskussion um den Flughafen wird der neue Termin aber nicht entschärfen. Nicht nur, weil der nun absehbare Zeitpunkt der Eröffnung Ende 2019 zwei Jahre nach dem Datum liegt, das noch vor einigen Monaten galt. Sondern auch, weil nach ungezählten gerissenen Fristen die Skepsis gegenüber jeder Ankündigung am BER nahezu hoffnungslos verfestigt ist.

Die Debatte um die Offenhaltung des Flughafens Tegel beeinflusst die Ankündigung vom Donnerstag also kaum, jedenfalls nicht im Sinne der Koalition. Eher werden die Befürworter der Offenhaltung zu Recht darauf verweisen, dass weiterhin ungeklärt ist, wann der BER eröffnet. Und so lange das so bleibt, würde es an ein Wunder grenzen, wenn sich eine Mehrheit der Wähler beim Volksentscheid am 24. September für die Schließung ausspricht.

Trotzdem lohnt der genaue Blick. Die Fortschritte am BER reichen nicht. Aber zumindest steht das Projekt nicht mehr so desaströs da wie noch Anfang des Jahres. Damals herrschte interner Krieg mit unübersichtlichen Fronten. Brandenburg war unzufrieden damit, wie Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller den Aufsichtsrat führte. Müller und sein damaliger Flughafenkoordinator waren unzufrieden damit, wie der von Brandenburg benannte Geschäftsführer Karsten Mühlenfeld das Unternehmen leitete. Mühlenfeld war unzufrieden mit Co-Geschäftsführerin Fölster und Technikchef Marks. Die Baufirmen nutzten diese katastrophalen internen Spannungen und zogen sich aus der Arbeit am Projekt zurück – anderswo gab es auf bequemere Art Geld zu verdienen.

Kommunikation verbessert

Binnen weniger Monate hat sich diese Situation völlig geändert. Das liegt nicht allein an Lütke Daldrup, sondern auch daran, dass dem Aufsichtsrat zahlreiche neue Mitglieder angehören. Es gebe eine viel bessere Verständigung, heißt es aus dem Gremium. Natürlich reicht das nicht, um einen Flughafen fertig zu bauen. Aber jedenfalls wird der immense Schaden durch das Projekt nicht unnötig weiter vergrößert.

Ein vorsichtiges Zwischenfazit lässt sich zumindest ziehen: Die Ernennung eines Politikers zum Geschäftsführer hat dem politischen Projekt BER nicht erkennbar geschadet. Engelbert Lütke Daldrup hat es verstanden, Systematik und Ruhe in das havarierte Projekt zu bringen. Er kommuniziert mit den politischen Beteiligten und mit der Öffentlichkeit klarer als seine Vorgänger.

Er hat als Politiker die Aufgabe übernommen, das Chaos zu beheben, das auch seine Parteifreunde angerichtet haben. Ein erstes Stück ist er auf diesem Weg offensichtlich vorangekommen. Der Stadt – und dem Land Brandenburg – ist es zu wünschen, dass ihm auch die nächsten Schritte gelingen. Jeder Misserfolg fällt nicht allein auf ihn zurück, sondern auf die, die ihn entsandte – die Berliner SPD.