Potse und Drugstore in Schöneberg.
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BerlinDie Potse muss raus. Das Berliner Landgericht hat am Mittwoch verkündet, dass die Besetzer die Räumlichkeiten des Jugendtreffs in Schöneberg räumen müssen. Sollten sie nicht freiwillig den Schlüssel übergeben, droht über kurz oder lang eine Räumung, im Zweifel auch mithilfe der Polizei. Es droht eine Eskalation.

Das Urteil ist keine Überraschung. Der Mietvertrag für die Immobilie an der Potsdamer Straße ist längst gekündigt. Der Eigentümer möchte Zugriff auf die Räumlichkeiten bekommen, um diese zu sanieren und danach – wahrscheinlich zu besseren Konditionen als bisher - weiterzuvermieten. Und er hat jedes Recht dazu.

Dennoch ist die Geschichte bitter, und sie ist ein Beispiel für eine Negativ-Entwicklung der vergangenen Jahre. Möglicherweise muss eines der ältesten selbstverwalteten Jugendzentren der Stadt schließen. Trotz jahrelanger Suche ist es dem zuständigen Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg nach eigener Aussage nicht gelungen, adäquaten Ersatz zu finden. Mal scheiterte es am Schallschutz, elementar für die stark musikbetonte Nutzung der Potse. Öfter noch scheiterte es aber am Geld. Zwar haben die Bezirke wieder größere Etats für Personal als etwa noch zu Wowereits Sparen-bis-es-quietscht-Zeiten. Dennoch finden die Kommunen auf dem erhitzten Berliner Immobilienmarkt oft nur schwer bezahlbaren Platz für ihre Zwecke.

Also klagen wir wieder über Verdrängung in der wachsenden und zumindest vor der Corona-Delle prosperierenden Stadt, über Verdichtung und Verteuerung und damit einhergehend über soziale und gesellschaftliche Verarmung. Denn so ungebärdig und wenig kompromissbereit sich die Potse-Nutzer auch zeigen: Sie brauchen Räume, in denen sie sich entfalten können. Das muss möglich sein.

Nun ist es am Bezirksamt weiterzumachen. Es muss weiter nach Räumen suchen. Das ist seine Aufgabe.