Kommentar: Der EPH-Konzern wird nicht lange an der Lausitzer Braunkohle festhalten

Es ist nicht lange her, da wären Geschäfte wie der Verkauf der Lausitzer Braunkohlegruben samt der zugehörigen  Kraftwerke bestaunt und beklatscht worden. Anderthalb Milliarden Euro zahlte der schwedische Konzern Vattenfall vor fünfzehn Jahren für die Gruben und Kraftwerke, milliardenschwere Investitionen folgten in den darauffolgenden Jahren.

Doch wie sehr der Wandel in der internationalen Klimapolitik und in der deutschen Energiewirtschaft die Branche verändert haben, zeigte sich am Montag. In ihren Stellungnahmen drückten Politiker, Wirtschaftsvertreter und Gewerkschafter vor allem eines aus: Erleichterung. Darüber, dass sich mit dem tschechischen Konzern EPH überhaupt ein neuer Eigentümer gefunden hatte. Darüber, dass es weitergeht in den Gruben und in den Kraftwerken.

Doch es ist ein bizarres Geschäft, das am Montag geschlossen wurde. Vattenfall bekommt kein Geld von EPH. Stattdessen bekommt der neue Eigentümer sogar eine Mitgift. Dessen Chef wiederum erklärt, er rechne noch viele Jahre lang mit Verlusten. Umso rosiger werde sich das Geschäft entwickeln, wenn die Energiewende scheitere und die Preise für Kohlestrom wieder ansteigen.

Vieles deutet darauf hin, dass EPH ein unbequemer und nicht allzu zuverlässiger Eigentümer wird. Zwar müssen die Mitarbeiter zunächst wohl nicht viel befürchten. Ihre Kollegen im mitteldeutschen Revier, das EPH vor vier Jahren übernahm, haben jedenfalls ihre Tarifverträge behalten. Doch wie lange EPH an der Überzeugung festhält, dass der Ausstieg aus der Atomenergie misslingt – das ist vollkommen ungewiss.

In eine unbequeme Situation versetzt der Einstieg der Tschechen die brandenburgische Landesregierung. Von Vattenfall gab es bislang zumindest Lippenbekenntnisse zur Energiewende. Von EPH werden diese nicht kommen, und das Dilemma der brandenburgischen Politik tritt damit offen zutage: Ergreift die Regierung Maßnahmen zur Förderung von erneuerbaren Energien, dann schadet sie damit einem der wichtigsten Arbeitgeber des Landes. Sie sollte sich davon nicht beirren lassen. Denn gewinnt EPH seine Wette, dann sind wir alle die Verlierer.