Politiker haben – so wie alle Menschen – ein Grundrecht darauf, Fehler zu machen. Die eigenen Parteifreunde  verzeihen  dies  meist auch dann, wenn es sich um größere Fehler handelt. Denn auch Politiker haben – so wie alle Leute – in den meisten Fällen  eine gute Ausrede parat oder gar einen halbwegs triftigen Grund.

Doch eine Sache müsste sich im Politikbetrieb doch herumgesprochen haben: Politiker müssen moralisch anständig handeln, zumindest sollten sie in der Dienstzeit so tun, als ob. Denn es ist wahrscheinlicher, dass ein Politiker wegen einer dubiosen Angelegenheit mit einem Luxus-Füllfederhalter für 500 Euro gehen muss, als zum Beispiel wegen der milliardenteuren Verschiebung der Eröffnung eines Flughafens.

Doch offensichtlich wissen das nicht alle Politiker.

Stefan Ludwig, der Noch-Justizminister von Brandenburg, weiß es definitiv nicht. Er ist von der Linkspartei, die ihren Politikern  eine strikte Trennung von Amt und Mandat vorschreibt. Als Ludwig im Vorjahr vom Abgeordneten zum Minister aufstieg, musste er also sein Mandat aufgeben und entließ die Mitarbeiter seines Parlamentsbüros. Das ist üblich. Aber Ludwig verweigerte einer Frau jene drei Monatsgehälter, die ihr laut Arbeitsvertrag noch zustanden. Er wollte, dass das Parlament sie bezahlt.

Erst als seine Partei und der Koalitionspartner von ihm abrückten, zahlte er und schob nun eine solch komplette Entschuldigung nach, dass man glatt befürchten konnte: Der  Mann begeht gleich Harakiri.

Der Fall Ludwig ist so etwas wie ein soziales Desaster für die Linke. Ludwig wird nun gern mit einem Foto gezeigt: Er am Rednerpult, hinter ihm riesengroß der Partei-Slogan: „100 Prozent sozial“. Die Häme der Opposition ist  mehr als groß, denn die Frau ist selbst in  der Linkspartei, und sie ist arm, da sie keinen  Anspruch auf Hartz IV hat. Sie wollte einfach nur 1600 Euro von einem Minister, der 150.300 Euro im Jahr verdient.