Während westliche Medien die Lügengeschichte vom siebenjährigen „Twittermädchen“ Bana Alabed aus dem von „den Rebellen“ eroberten östlichen Stadtteilen Aleppos als pure Wahrheit verkauften, saß Franziskanerpater Ibrahim Alsabagh im belagerten Westteil der umkämpften Stadt. Er war den Regierungstruppen dankbar, dass sie die fast schon Eingeschlossenen verteidigten.

„Die Rebellen“ bezeichnet er in den Berichten, die er nach Rom sandte, zumeist als „Dschihadisten“. Am 3. Mai 2016 beschrieb er die Situation seines Stadtteils und seiner Gemeinde so: „Heute Nachmittag haben die Dschihadisten eine Rakete auf das Krankenhaus Dabbit, im Viertel Muhafaza, abgefeuert. Dabei wurden nicht nur Männer und Frauen getötet, sondern auch 17 Kinder.“

Beispiellose Grausamkeit der dschihadistischen Milizen

Weiter notierte Alsabagh an jenem 3. Mai: „Auch die staatliche Universität geriet wieder unter Beschuss. Unser Viertel wird nach wie vor massiv bombardiert. Überall explodieren Sprengsätze, es gibt Dutzende von Toten, Hunderte Verletzte. Was wir in diesen Tagen hier erleben, ist die beispiellose Grausamkeit der dschihadistischen Milizen, die den Waffenstillstand und den Weg des Dialogs nicht akzeptieren und stattdessen weiter Raketen auf überfüllte Wohnsiedlungen abfeuern.“

Pater Ibrahim Alsabagh dokumentierte all das für die Jahre 2015 und 2016 nüchtern in italienischer Sprache. Jetzt erschienen seine gesammelten Berichte zunächst bei Edizioni Terra Santa in Mailand und wenig später auf Deutsch unter dem Titel „Hoffnung in der Hölle. Als Franziskaner in Aleppo“ (192 Seiten, 18 Euro). Das Verdienst der Übersetzung kommt dem katholischen Herder Verlag in Freiburg zu.

Hilfslieferungen werden durch Embargos blockiert

Alsabagh hatte sich Ende 2014 von Rom nach Aleppo versetzen lassen, um dort den Menschen beizustehen. Am 23. August 2015 berichtete er: „Die Milizen bombardieren uns unaufhörlich, und zwar aus allen Richtungen. Mit ihren zerstörerischen Raketen nehmen die Terroristengruppen auch Krankenhäuser, Schulen und Wohnsiedlungen ins Visier. Und die Zerstörung nimmt kein Ende, sät Tod und Verzweiflung. Das Resultat sind verstümmelte Menschen, Auswanderung, Angst und Verzweiflung.“

Er beschreibt, wie Hilfslieferungen der Caritas wegen des Embargos gegen den syrischen Staat blockiert wurden und die Zivilisten im belagerten Westaleppo nicht erreichten. Er notiert, dass die Organisation „Ärzte ohne Grenzen“ – entgegen ihrem Anspruch auf Grenzenlosigkeit - nur im Rebellengebiet tätig war, „nicht hier bei uns“.

Bis zu neun Meter lange Raketen

Die Rebellen, ob islamistisch oder angeblich gemäßigt, verfügten über „bis zu neun Meter lange Raketen“: „Diese Werkzeuge des Todes fallen nicht zufällig auf Schulen und Krankenhäuser. Die Ziele sind gewollt! Es war kein Zufall, dass sie Kinder getroffen haben, die gerade aus der Schule kamen oder am Morgen auf dem Schulhof standen, in ihre Klassenzimmer gehen wollten. Etwas Ähnliches beobachten wir bei den Kirchen und Moscheen.“

Hat man in den großen deutschen Medien je von diesen Kriegsverbrechen der sogenannten Rebellen gehört? Hat sich die Bundeskanzlerin, die so gerne Assad und Putin verurteilte, jemals dazu geäußert? Nein! Wer das von deutschen Politikern und Medienleuten erzeugte, weithin unkritische Bild vom syrischen Krieg korrigieren und ergänzen möchte, lese dieses Buch. Fortsetzung folgt.