Noch vor zehn Jahren fand ich den heutigen AfD-Politiker Alexander Gauland anregend. Als das vom Bundespräsidenten zu benennende Mitglied im Stiftungsrat des Jüdischen Museums war er mein Vorgänger. Nun driftet er immer schneller nach rechts außen ab. Nachdem sein Parteigenosse Björn Höcke gegen Holocaust-Mahnmal und „dämliche Bewältigungspolitik“ agitiert hatte, meinte er verständnisinnig: „Er gehört zur AfD. Er hat nichts gesagt, wofür er sich schämen müsste!“ Folglich gehört Gauland nun zu Höcke.

Das gilt gleichermaßen für den anfangs fast liberal auftretenden AfD-Sprecher Professor Jörg Meuthen. Die Abgrenzung seiner Stuttgarter Landtagsfraktion zum Antisemitismus ist ihm mittlerweile gleichgültig; auch er bezeichnet Höcke und dessen Anhänger als „integralen Bestandteil der Partei“. Meuthens südwestdeutsche AfD tritt dafür ein, Israel-Stipendien im Haushaltsplan von Baden-Württemberg zu streichen und die „einseitige Konzentration auf zwölf Jahre nationalsozialistischen Unrechts“ zu bekämpfen.

Jenseits solcher Geschichtspolitik erscheinen mir die im Kern totalitären, zu außerparlamentarischen Aktionen aufstachelnden Reden Höckes bemerkenswert. Sie beinhalten Angebote der AfD an jene Rechtsradikalen, die Flüchtlingsheime anstecken und offen zur Gewalt aufrufen.

So erklärte Höcke am 17. Januar in Dresden unter tosendem Beifall seiner aktionistisch aufgelegten jungen Anhänger: „Die alten Kräfte, also die Altparteien, auch die Gewerkschaften, vor allen Dingen auch die Angstkirchen und die immer schneller wachsende Sozialindustrie, die an dieser perversen Politik auch noch prächtig verdient; diese alten Kräfte, die ich gerade genannt habe, sie lösen unser liebes deutsches Vaterland auf wie ein Stück Seife unter einem lauwarmen Wasserstrahl. Aber wir, liebe Freunde, wir Patrioten werden diesen Wasserstrahl jetzt zudrehen, wir werden uns unser Deutschland Stück für Stück zurückholen!“

Die gewählten Politiker des Landes denunzierte Höcke als „erbärmliche Apparatschiks“, die Regierung Merkel als „Regime“, den angeblich „verbrauchten Alteliten“ unterstellt er, sie würden den Staat „missbrauchen, um ihn abzuschaffen“.

Die AfD begreift Höcke als „Bewegungspartei“, die sich nicht in den Parlamenten aufreiben dürfe. Deshalb fordert er, sie mit Hilfe der Jugendorganisation von allen Kompromisslern zu säubern. In absichtsvoller Parallele zu Stalins Trotzkisten bezeichnet er Letztere als Luckisten (nach dem wegen liberalistischer Abweichlerei bereits ausgestoßenen Gründungsvorsitzenden Bernd Lucke). Das klingt dann so: „Manche von diesen Luckisten sind geblieben. Das sind die, die keine innere Haltung besitzen. (…) Nicht wenige von diesen Typen drängen jetzt gerade in diesen Wochen und Monaten als Bundestagskandidaten auf die Listen oder als Direktkandidaten in den Wahlkreisen entsprechend nach vorne. (…) Ich will, dass wir diesen Halben einen Strich durch die Rechnung machen.“

Genau das, die Bildung immer radikalerer Frontorganisationen, kennzeichnet totalitäre, die demokratischen Verfassungsorgane verhöhnende Parteien. Um es mit Hannah Arendt zu sagen: So entsteht „im Schoße der nichttotalitären Gesellschaft“ die „totalitäre Gegengesellschaft“. Es gibt gute Gründe, die AfD zu überwachen.