Vier Schülerinnen, um die 13, stehen im Bus an der Ausgangstür. Über mehrere Stationen hinweg. Sie schwatzen und lachen laut. Wer hinaus will, muss drängeln oder darum bitten, durchgelassen zu werden. Die Atmosphäre unter den Fahrgästen ist angespannt, aber niemand sagt etwas. Haben die Erwachsenen Angst vor großen Kindern? Und warum tun die Mädchen das? Wollen sie provozieren? Oder bemerken sie gar nicht, dass sie den anderen, unter ihnen viele Ältere, den Weg versperren?

Das ist nur eine Alltagsszene, wie sie so oder ähnlich tausendfach in Berlin zu erleben ist. Eine Szene, die unter ungünstigen Umständen schnell eskalieren könnte zu Beschimpfungen, Bedrohungen, Handgreiflichkeiten und mehr. Eine Szene, die nachdenklich macht und der Autorin nach der Lektüre des von der Schulverwaltung veröffentlichten Berichts zu Gewaltprävention und Krisenintervention wieder in den Sinn kommt.

Der Bericht offenbart in sehr nüchternem Bürokratendeutsch, dass die Zahl der an Berlins Schulen gemeldeten Gewaltvorfälle im vergangenen Jahr um 25 Prozent gestiegen ist, auf 1836 Fälle. Das ist eine erschreckende Zunahme. Aber bei gegenwärtig rund 300 000 Schülern in Berlin (diese Zahl steht nicht in dem Bericht der Verwaltung) ist es kein Anlass zu dramatisieren. An gleicher Stelle wird auch ausgeführt, dass die Fälle schwerer körperlicher Gewalt um elf Prozent rückläufig sind.

Die Zunahme betrifft Beleidigungen, Drohungen, Tätlichkeiten. Es geht zu einem Großteil also darum, dass friedfertige, zugewandte Umgangsformen abhandenkommen. So etwas wie Freundlichkeit, Rücksichtnahme auch Schwächeren gegenüber, Einfühlungsvermögen oder Respekt. Es geht um das zunehmende Aggressionspotenzial. Über solche Befunde allerdings wird mittlerweile allerorten geklagt. In Kollegien, Nachbarschaften, überall, wo Menschen zusammen kommen. Das beschränkt sich nicht auf die Institution Schule. Die ist nur der einzige Ort, an dem dazu seit einiger Zeit Zahlen erhoben werden.