Nichts gegen Studienräte an Gymnasien, die fein ausgetüftelte Experimente im Physikunterricht durchführen. Oder mit ihren Schülern im Lateinunterricht in die antike Welt des Alten Rom eintauchen. Kein Wunder, dass viele Nachwuchs-Lehrer, frisch aus dem universitären Elfenbeinturm kommend, an solch klassisch bildungsbürgerliche Oberschulen in den besseren Vierteln der Stadt streben.

Doch das hat ungute Folgen: Die besten Junglehrer kommen dadurch zu selten an Schulen in den sozialen Brennpunkten an, fallen als positives Rollen-Vorbild für die oft schwierigen Schüler aus. Dabei bräuchten gerade diese Schulen dringend motivierte Nachwuchspädagogen. Die Berliner Lehrerschaft hat im bundesweiten Vergleich bekanntlich eh den höchsten Altersdurchschnitt. Und die ganz besonderen Herausforderungen in Kreuzberg oder Mitte bergen die Gefahr, dass ältere Lehrer einfach irgendwann innerlich kündigen.

Abwimmeln beim ersten Gespräch

Die Neuköllner SPD fordert nun eine „Brennpunkt-Zulage“ für die Lehrer dort. Das ist ein richtiges Signal. Nicht nur, weil der Mensch Anerkennung in bar gern annimmt. Sondern weil es die vielfältigen Belastungen der Lehrer vor Ort anerkennt. Während viele (nicht alle) Gymnasien der Stadt schwierige Schüler schon beim ersten Anmeldegespräch gerne abwimmeln, müssen Lehrer an den Brennpunkt-Schulen sich um die Schüler kümmern, sie müssen in der Grundschule die Grundlagen legen und in der Oberschule darauf achten, dass es mit dem Abschluss klappt.

Sie müssen auf Schüler eingehen, mit Eltern reden und frustrierende Erlebnisse über sich ergehen lassen. Das sollte honoriert werden. Allerdings birgt das ein Risiko: Wird bekannt, welche Schule eine solche Zulage zahlt, ist sie womöglich erst recht als Problemschule stigmatisiert